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Rechte sehen Rostock schon als "Frontstadt"

Die Konflikte um den Nazi-Laden in der KTV verschärfen sich. Jetzt flogen Flaschen und Steine. Rechte wollen Rostock zur "Frontstadt" machen.

25.06.2007

Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Die Auseinandersetzungen um einen Nazi-Laden in der Doberaner/ Ecke Budapester Straße (OZ berichtete) eskalieren. In der Nacht zum Sonntag kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei, die am nächsten Tag von 14 leicht verletzten Beamten und von 40 festgenommenen Linken und Rechten sprach. Der Geschäftsführer des umstrittenen Ladens, Thorsten de Vries, kündigt indes sein Bleiben an, Rostock solle zur "Frontstadt" gemacht werden.

"Wir sitzen das aus", erklärte de Vries. Etwa 15 "Bewacher" standen vor dem Szeneladen. "Bis jetzt haben wir nur Anzeigen geschaltet und die Füße still gehalten", so der Rechtsradikale. Jetzt droht er mit Rückschlag. "Die Linken haben die Machtfrage gestellt." Als Mitglied der Freien Kameradschaft, einer bundesweiten rechtsextremen Vereinigung, wolle er seine Kontakte ausspielen. "Wir werden aus der ganzen Bundesrepublik Leute anrollen lassen", sagte er aufgeregt. Der Mietvertrag des Nazi-Ladens läuft fünf Jahre. "Und so lange bleiben wir", versichert de Vries.

Die Auseinandersetzung begann am Sonnabend kurz nach 23 Uhr. Während einige Straßen weiter noch friedlich das KTV-Fest gefeiert wurde, zog eine Gruppe von Leuten, die die Polizei dem "linksautonomen Spektrum" zuordnet, zu dem umstrittenen Laden. Eine Anwohnerin beobachtet ein kleines Feuer in der Budapester Straße. Später muss sie feststellen, dass Autonome die Frontscheibe ihres Autos zertrümmert haben. Den Beamten gelingt es, linke Demonstranten und die rechten Bewacher des Geschäfts auseinanderzuhalten.

Inzwischen hat sich rund 150 Leute vor der Polizeisperre in der Doberaner/Ecke Fritz-Reuter-Straße versammelt. "Nazis raus", skandiert die Menge. Einige lassen sich zur Sitzblockade nieder. Gegen 1.10 Uhr spricht die Polizei einen Platzverweis aus. Die Stimmung wird auf beiden Seiten zunehmend gereizt. Erste Flaschen fliegen. Es folgen Szenen, die an die Anti-G8-Demo vom 2. Juni erinnern. Ein Polizeihubschrauber kreist über der KTV. Immer wieder preschen Gruppen von Polizisten vor, um einzelne vermeintliche Flaschenwerfer "abzugreifen". "Wir sind friedlich", versuchen einige der Protestierer mit erhobenen Händen deeskalierdend zu wirken. Den Schutz der Menge nutzen vermummte Autonome und später auch andere gewaltbereite Hooligans für ihre Angriffe. "Haut ab, wir wollen keine Gewalt", ruft eine Frau den Flaschenwerfern zu. Einige reißen einen Randalierer zu Boden.

Die Polizei bleibt bei ihrer Strategie der schnellen Vorstöße. Einzelne Demonstranten werden in den Schwitzkasten genommen und abgeführt. Polizeihunde bellen laut. Tränengasbomben werden an die Polizisten verteilt. "Die halten wir schon mal parat, um die Menge auseinander zu treiben", sagt ein Beamter in Kampfanzug. Nach jeder Polizeiaktion fliegen wieder Steine und Flaschen. Augenzeugen, die anonym bleiben wollen, kritisieren das Vorgehen der Polizei und dass gewaltfreie Protestierer eingesammelt werden. Torsten Raedel, Büroleiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Christian Kleiminger gerät bei Deeskalationsversuchen zwischen die Fronten, wird von den Polizisten unsanft zur Seite gestoßen. "Wir verstehen nicht, dass die Polizei die Nazis beschützt", empört sich Studentin Annika Jahnke, nachdem auch sie umgerannt wurde.

Gegen 3 Uhr fordert die Polizei erneut zur Räumung auf und stürmt vor. Alle werden die Doberaner Straße hoch getrieben oder flüchten, verfolgt von den behelmten Ordnungshütern, in Seitenstraßen. Immer wieder kommt es zu Festnahmen. Im Morgengrauen endete die Krawall-Nacht.

THOMAS NIEBUHR, SYLVANA LUBLOW, und SUSAN KOCH

Ostseezeitung-Rostock

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