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Mit 100 Dezibel Protest gegen Rechts

06.05.2007

Stralsund. "Natürlich muss ich ein Zeichen setzen gegen rechten Hass und Gewalt." Tobias Mals (16) schreit regelrecht gegen den donnernden Gitarren-Sound aus den mannshohen Boxen an. Die Stralsunder Band "Degressive" spielt gerade auf der Bühne ihre Anti-Nazi-Hymne, da will Tobias mit dem pink gefärbten Irokesen-Schnitt gleich mithüpfen. "Ist doch toll, dass politischer Protest auch Spaß machen kann."

Mehrere hundert Jugendliche kamen gestern Abend zum Open-Air-Konzert "Rock gegen Rechts" auf die Mahnkesche Wiese. Von Metal bis Punk gab es alles zu hören. Sechs Bands aus der Region zwischen Rostock und Greifswald traten an, um ihrer politischen Meinung Stimme zu verleihen. Neben den Stralsunder Lokalmatadoren "Degressive" waren "Protest", "N.O.C.", "Feine Sahne Fischfilet", die "Crushing Caspars" und "Zaunpfahl" dabei.

Aufgerufen hatte vor allem der Jugendverband solid, mit Unterstützung des DGB sowie von politischen Parteien zu dieser besonderen Art des Protests. "Es ist ein Signal für Demokratie und Toleranz", sagte Landtagsabgeordnete Marianne Linke (Linkspartei.PDS), die sich auf dem kleinen Festival sichtlich wohl fühlte.

Der vierte "Rock gegen Rechts" folgte in diesem Jahr dem Motto: "Hol Dir Deine Stadt zurück". Erstmals fand es unter freiem Himmel statt und bezog schon durch den Veranstaltungsort ganz klar Position. "Wir haben bewusst die Frankenvorstadt gewählt", erzählt Andreas Holtensee vom Koordinationsteam. "Hier gibt es einen der höchsten Anteile an NPD-Wählern in Stralsund. Es ist ein sozialer Brennpunkt."

Kein Argument für Sarah Doeppner, nicht zu kommen. "Angst haben wäre genau der falsche Weg", ist sich die 16-Jährige sicher. "Also bin ich hier." Die Polizei habe ein wachsames Auge auf die Veranstaltung, sogar auf der Rügenbrücke seien einige Beamte postiert. "Ich weiß grad' nicht, ob wir beschützt oder beobachtet werden", sagte Andreas Holtensee grinsend. Im Vorfeld gab es jedoch Drohungen aus der rechtsradikalen Szene.

Die jungen Leute auf dem Festivalgelände scherte das wenig. Die einmalige politische Party ging bis tief in die Nacht.

SUSE GELZENLEUCHTER

Ostseezeitung-Stralsund

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