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Aus Leidenswegenfür die Zukunft lernen

Generationsgespräche am Jahrestag der Befreiung des KZ Wöbbelin

03.05.2007

Wöbbelin (Jürgen Schwarzenberg) - Im Rahmen der Generationsgespräche zum 62. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge im Konzentrationslager Wöbbelin berichteten am Dienstagabend in Wöbbelin Befreite im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern über ihren Leidensweg. Ergänzend veranschaulichte eine Ausstellung von Schweriner Gymnasiastinnen und Gymnasiasten Lebensläufe ehemaliger KZ-Häftlinge und Angehöriger der 82. US-Luftlandedivision, die am 2. Mai 1945 das Lager erreichten.

Zu den Häftlingsbiographien gehörten die von George Salton, Sohn eines jüdischen Anwaltes aus Tyczyn (Polen). Er kam Ende April 1945 mit einem Transport aus dem KZ Ravensbrück ins Lager Wöbbelin. "Grausamer Gestank und viele Leichen", waren sein erster Eindruck. "Die Bedingungen in diesem Lager waren primitiver und schlimmer, als in irgendeinem anderen Lager, in denen ich gewesen bin", erinnert sich Salton.

Dargestellt wurde auch das Martyrium von Erich Kary. Der in Ludwigslust Lebende nutzte am 3. Mai 1945 mit wenigen anderen Häftlingen die Zeit zwischen der Flucht der KZ-Bewacher und dem Beginn der Hilfsmaßnahmen durch Angehörige der US-Armee, um einen kranken Kameraden aus dem Lager in ärztliche Obhut zu bringen. In unzähligen Zeitzeugengesprächen stand Kary später vor allem mit Jugendlichen im Gespräch. Eine Verpflichtung, der er aus Überzeugung gern nachkommt, bemerkte Kary am Ende der Generationsgespräche am Dienstagabend.

Eindrucksvoll berichtete in Englisch und Polnisch, ins Deutsche übersetzt von Gymnasiastinnen des Schweriner Goethegymnasiums, der in Wöbbelin befreite Salomon Birenbaum, geboren am 6. November 1926 in Radom (Polen), Häftlingsnummer B-2106. Sein Leidensweg durch die KZ Majdanek, Auschwitz, Sachsenhausen, Buchenwald, Ravensbrück führte ihn eine Woche vor der Befreiung im Mai 1945 ins Wöbbeliner Lager. Mit einem Kameraden ist er nach der Flucht der Bewacher am 1. Mai nach Ludwigslust aufgebrochen, wo er auf einen Angehörigen der US-Streitkräfte traf. Später fand er seine Eltern wieder, die Familie wanderte in die USA aus.

Als Kinder, die sie ja waren, berichtete Birenbaum, haben sie nie über ihre Erlebnisse gesprochen, erst jetzt im Alter fällt es leichter zu reden und zu schreiben. Es sei gut, wenn sich junge Menschen mit diesem Thema beschäftigen, sagte Birenbaum. "Ohne sich mit der Geschichte zu befassen, hat die Jugend keine Zukunft", sagte er mit Dank an die Organisatoren der Veranstaltungen zum Jahrestag der Befreiung, an die anwesenden Jugendlichen gerichtet.

Schweriner Volkszeitung-Ludwigslust

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