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Wismar will aus der rechten Ecke raus

Mit einer Sondersitzung hat die Bürgerschaft gegen das schlechte Image mobil gemacht. Zivilcourage soll mit einem Logo unterstützt werden.

05.04.2007

Von Andreas Zecher

Wismar. Das schmerzt. Unlängst konnten die Wismarer in der Zeitung lesen, ihre Stadt sei ins "Visier des Verfassungsschutzes" geraten. Anlass für den ausgemachten Eifer der "Schlapphüte": rechtsextremistische Umtriebe in der Hansestadt. Bei Bürgermeisterin Rosemarie Wilcken (SPD) muss diese Schlagzeile ein altes Fass zum Üblerlaufen gebracht haben. Der mittels Medien über Jahre erweckte Anschein, Wismar sei "eine Hochburg der Rechten", dürfe sich jetzt nicht weiter verfestigen, hieß es im Rathaus. Aufklärung und Gegenoffensive wurden beschlossen.

Aktivitäten, die lange auf sich warten ließen. 2002 kam die Stadt bereits nachhaltig ins Schlaglicht der Öffentlichkeit, als ein Lehrer mit zwei Jugendlichen einen Brandanschlag auf einen Asia-Imbiss verübte. Danach sorgte die faschistoide Szene um einen "Kaufmann" für Aufsehen, der mit Kleidung und Musikalien der braunen Subkultur Handel treibt. Auf 20 Personen schätzt die Polizei in Wismar den Kern jener Jugendlicher, die sich heute in seinem Umfeld bewegen. "Ohne persönliche Perspektiven, aber mit hoher krimineller Energie", sei die Truppe, so ein Beamter.

Was deren kriminelle Energie betrifft, damit haben erst jüngst einige Jugendliche ihre bittere Erfahrung gemacht, die sich bewusst gegen die Glatzen positionierten. Anfang des Monats konnte sich ein Student aus dem Sudan einer Schläger-Attacke von "kahl Geschorenen" erwehren. Er erstattete bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt. Einige der Glatzen kennen die Wismarer Ordnungshüter recht gut, mussten sie diese im August 2006 Auge in Auge mit gezückter Waffe in Schach halten. Die Mutmaßung, dass angesichts dieser Vorkommnisse sich der Verfassungsschutz um die Wismarer Szene kümmert, kommt also nicht von ungefähr.

Der Leiter der Abteilung Verfassungsschutz im Schweriner Innenministerium Jürgen Lambrecht kann ein detailliertes Bild von ihr abgeben und die einschlägigen Adressen nennen: den Werwolf-Shop, der offensichtlich so heißen darf, und das Wohnprojekt Wolfshöhle II. Auch dass sich die Zahl der politischen Gewalttaten im letzten Jahr auf vier erhöht hat, ist in Schwerin bekannt. Lambrecht kann die um das Ansehen Wismars besorgten Stadtväter aber auch beruhigen. Es gäbe hier die anderswo im Land umtriebigen Kameradschaften nicht, die rechte Szene sei wenig strukturiert und eher subkulturell tätig. Und aus der örtlichen Polizeiinspektion heißt es: "Wismar ist keineswegs der Hort alles Bösen." Im Gegenteil unter den kreisfreien Städten im Nordosten nehme man in punkto Sicherheit Platz Nummer eins ein. Mit diesen amtlichen Rückversicherungen startet die Hansestadt jetzt eine Imagekampagne, für die eigens eine "Wort-Bild-Maske" entwickelt wurde. Wismar verstehe sich als neugierig, tolerant und weltoffen, so deren lesbare Botschaft. Auf einer Sondersitzung der Bürgerschaft ist den Stadtvätern das Konzept dieser Tage erläutert worden. Bürgermeisterin Wilcken hatte um diese Zusammenkunft gebeten. Und wie Musterschüler ihrer Lehrerin lauschen, haben die Volksvertreter die Ausführungen ihrer "Chefin" verfolgt.

Für die ist das Thema Gewalt wichtig. Täglich beschäftige man sich im Rathaus damit, sagt sie. Und die Demokratie wird dort offenbar ganz groß geschrieben. Jedenfalls beteuert Wilcken, dass man nicht davon lassen wolle, weil sie die Zivilcourage befördere, die letztlich die extreme Rechte in die Schranken weise. "Gesicht zeigen", lautet das Motto. Als quasi schmerzfreie Möglichkeit dazu gibt es die "Wort-Bild-Maske" in Form von Buttons, Aufklebern und auch als riesige Transparente über den Einfahrtsstraßen der Hansestadt. Durch die kommen im Juni die Teilnehmer des Weltjugend Gipfels "J8" daher. Bis dahin wird couragiert am Image poliert.

Nordkurier

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