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Doberan: Ist Hitler noch Ehrenbürger?
G8-Gipfel - im Juni ist die Welt zu Gast in Bad Doberans Ortsteil Heiligendamm. Jetzt holt die Ehrung Hitlers von 1932 die Stadt ein.
10.03.2007
Bad Doberan (OZ) Peinliche Situation für Bad Doberan. Adolf Hitler, 1932 zum Ehrenbürger ernannt, ist diese Würde offenbar nie aberkannt worden. "Formal ist Hitler immer noch Ehrenbürger Bad Doberans", ist Matthias Monroy von der G8-kritischen Gipfelsoli Infogruppe überzeugt. Die Organisation stellte diese Nachricht gestern ins Internet. Im Juni tagen die Regierungschefs der acht führenden Industrienationen in Heiligendamm.
"Ein Beschluss, wonach die Ehrenbürgerschaft Adolf Hitler aberkannt wurde, war bisher nicht zu finden", weiß Anke Bitter, Stadtvertretervorsteherin und zugleich PDS-Fraktionschefin in der Stadtvertretung. Sie hat dafür eigens das Archiv der Stadt durchforstet. Allerdings, so die Politikerin, sei die Stadt bisher davon ausgegangen, dass die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod Hitlers erloschen ist.
Unter Juristen ist diese Frage heftig umstritten. "Es gibt auch die Auffassung, dass eine solche Ehrenbürgerschaft durch Beschluss aufgehoben werden muss", so die Bad Doberaner Anwältin Stefanie Drefe.
1932 brüstete sich die Stadt mit dem zu ihr gehörigen Ortsteil Heiligendamm, dass sie als erste im Reich dem Führer die Ehrenbürgerwürde zuteil werden ließ. Die Dammchaussee wurde in Adolf-Hitler-Straße umbenannt - ebenfalls als erste Straße in Deutschland. Am 31. Januar 1933 reichte die NSDAP-Fraktion eine neue Vorlage ein. Ihr Wunsch: "Ein Glückwunschtelegramm an den neuen Reichskanzler Adolf Hitler" müsse versandt werden. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Hitler weilte des Öfteren im Nobelbad Heiligendamm und war auch in Bad Doberan mehrmals zu Gast.
Nach 1945 spielten Ehrenbürgerschaften aus der NS-Zeit in der historischen Auseinandersetzung in Ostdeutschland kaum eine Rolle. "Zu DDR-Zeiten war das kein Thema", so der Doberaner Lokal-Historiker Helge Rehwald. .
Was nun? "Der Beschluss von damals muss schnellstens aufgehoben werden", meint Stadtvertreterin Heike Ohde vom Bürgerbund. Und auch Dieter Abeling (CDU) sieht "dringenden Handlungsbedarf". Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Norbert Sass (parteilos), zeigte sich von der Nachricht überrollt: "Ich kann keine Stellungnahme abgeben, weil ich von der Sache nichts weiß."
MARCUS STÖCKLIN
Ostseezeitung
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