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Rechte Saat bei Pflanzenschützern

In Mecklenburg-Vorpommern propagiert die NPD die gentechnikfreie Landwirtschaft. Landwirte zeigen Verständnis, Politiker sind über die "Tarnveranstaltung" empört

06.03.2007

Der NPD-Landtagsabgeordnete von Mecklenburg-Vorpommern Raimund Borrmann ist nicht überall willkommen. Doch als er kürzlich in seiner Eigenschaft als Sprecher für Umwelt-, Kultur- und Heimatschutz seiner Fraktion die Initiative "Gentechnikfreie Region Nebel/Krakow am See" besuchte, hatte er fast ein Heimspiel. Bis auf einige kritische Anmerkungen, ob die Parteipolitik nicht draußen bleiben sollte, gab es keine Widerstände.

Der Zusammenschluss von 15 Landwirten, die sich für einen ökologischen Landbau einsetzen, war schon vorher ins Gerede gekommen. Erst vor wenigen Wochen trat der Sprecher der umweltbewussten Landwirte Helmut Ernst aus Koppelow von seinem Amt zurück. Das bekennende NPD-Mitglied wollte damit "Schaden von der Initiative abwenden", hieß es zur Begründung. In der Region war die Parteimitgliedschaft von Ernst bekannt. Er hatte daraus auch nie ein Geheimnis gemacht. Mehrmals war er als Autor des NPD-Organs Deutsche Stimme und der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit in Erscheinung getreten. Auch unter den Ökobauern war seine politische Heimat anscheinend kein Problem. Nach Recherchen des Internetdienstes "Blick nach Rechts" sympathisiert rund die Hälfte der Betreiber dieser landwirtschaftlichen Betriebe mit der NPD.

Biobauer Ulrich Damm gehört nicht dazu. Er sei Christ, setze sich für gentechnikfreie Landwirtschaft ein und lasse sich vor keinen parteipolitischen Karren spannen, sagte er der taz. Aber: "Im Kampf gegen die Gentechnologie werden alle gebraucht, egal ob sie bei der NPD, der SPD oder der PDS sind", sagt Damm.

Nicht alle haben einen solch pragmatischen Umgang mit den Rechtsradikalen. Eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Gentechnikfreies Mecklenburg-Vorpommern", zu der Mitte Februar die agrarpolitischen SprecherInnen sämtlicher Landtagsparteien sowie der Grünen nach Krakow am See eingeladen wurden, musste kurzfristig abgeblasen werden, als die Gäste von den NPD-Verbindungen erfuhren. "Wir werden unter keinen Umständen an Tarnveranstaltungen der NPD teilnehmen", begründete die FDP-Politikerin Sigrun Reese gegenüber einer Regionalzeitung ihre Absage. Diese Haltung wird von der Geschäftsführerin der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, Ulrike Seemann-Katz, unterstützt. "Wir setzen uns auf keinen Fall mit der NPD auf ein Podium", sagte sie unmissverständlich zur taz. Notfalls müsse man Umweltverbände gründen, in denen die NPD gar nicht erst Fuß fassen kann.

Das dürfte aber in Mecklenburg-Vorpommern nicht einfach werden, meint der Agrarreferent des BUND Mecklenburg-Vorpommern, Burkhard Roloff. Auch er hatte seine Teilnahme an der Podiumsdiskussion über die gentechnikfreie Landwirtschaft abgesagt. Trotz Übereinstimmung in Fragen der Gentechnik werde es keine Zusammenarbeit mit völkisch-nationalistischen Organisationen wie der NPD geben, so die Begründung des BUND-Landesverbandes. PETER NOWAK

taz

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