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Plakataktion: Neue Wege statt neue Nazis
Integrativer Freizeittreff setzt auf Prävention durch Konfrontation
03.03.2007
Wismar - "Es gab im letzten Jahr viele Gespräche", so Heidi Jahnke. An ihrem Pullover trägt die fünffache Mutter einen Button "Gegen Nazis". "Wenn es gegen rechte Gewalt in Wismar geht, darf es jedoch nicht nur bei Gesprächen bleiben", ergänzt die Leiterin vom Integrativen Freizeittreff im KJFZ leidenschaftlich. "Wir brauchen richtige Aktionen und klare Statements."
Ein solches aktives Projekt ist jetzt angelaufen. Mit ihrem Team vom Freizeittreff plant Heidi Jahne eine Plakataktion unter dem Motto "Neue Wege statt neue Nazis". Darin sind alle Jugendlichen der 8. bis 12. Klassen aufgerufen, sich offensiv, kritisch und kreativ mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der Aufruf ist seit etwa zwei Wochen unterwegs. "Bisher gab es noch keine Resonanz", so Heidi Jahnke. "Wir warten übrigens auch auf Unterstützung seitens der Kommunalpolitiker, die wir über die Aktion in Kenntnis gesetzt haben. Ich bin auf die nächste Netzwerksitzung mit der Bürgerschaft gespannt, die am 14. März stattfindet."
Der Integrative Freizeittreff plant im Jahr vier Mal Straßenaktionen. Dort könnten die Plakate ausgestellt werden. "Die rechte Gewalt in Wismar hat zugenommen", so Heidi Jahnke, die im Freizeittreff unter anderem Projekte in Sachen "Vorurteile" begleitet und mit vielen jungen Leuten persönlich in Kontakt steht. Prävention durch Konfrontation ist ein Motto ihres integrativen Engagements. Am letzten Mittwoch waren Jungen und Mädchen der Goethe-Schule zum Projekttag im KJFZ zu Gast. Ihnen stand zum Beispiel ein Punk aus der Wismarer Szene als Gesprächspartner zur Seite. Dieser bestätigte u. a. aus eigener Erfahrung, dass sogenannte Nazis sich in den letzten sechs Monaten in Wismar verstärkt in Szene gesetzt haben. Heidi Jahnke: "Und während die Punks, die sich selbst oft als unpolitisch sehen, in ihrem auffälligen Outfit von der Polizei oft vom Karstadtplatz vertrieben werden, obwohl sie niemandem etwas tun, werden Jugendliche der rechten Szene dort einfach geduldet."
Aus persönlichen Gesprächen weiß die Treff-Chefin, dass viele Jugendliche einfach frustriert sind, dass Eltern und Lehrer vor Gewalt die Augen verschließen oder Vorkommnisse verharmlosen. "Das verunsichert. Eine Vorbildwirkung fehlt einfach." Die Projekte vom Integrativen Freizeittreff wollen aufmerksame Toleranz vermitteln. "Wir möchten, dass die jungen Leute über das Leben nachdenken und sich eine eigene Meinung bilden", fasst Heidi Jahnke zusammen. "Wismars Jugend ist sehr zerrissen. Uns ist es ein Anliegen, dass die verschiedenen Gruppierungen sich auf Gemeinsamkeiten besinnen und Vorurteile abbauen. Einfach neue Wege statt neue Nazis."
INA SCHWARZ
Ostseezeitung-Wismar
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