Geduldeter Rostocker
Imam Dögüs ist Rostocker, aber immer noch kein Deutscher. Der 40-Jährige hofft auf ein erneutes Asylverfahren und - auf einen positiven Ausgang.
22.02.2007
Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Imam Dögüs hat das Lachen nicht verlernt. Der 40-Jährige fühlt sich wohl in Rostock, obwohl er keinerlei deutsche Rechte hat.
Imam Dögüs ist Türke. In einem anatolischen Dorf geboren, besuchte er die fünfklassige Schule. Arbeit im Elternbetrieb und auf dem Bau bestimmten sein junges Leben. Er arbeitete in einer Organisation, die für soziale Verhältnisse, für Menschenrechte und Antirassismus eintrat. Insgesamt 15-mal kam er in Untersuchungshaft. "Ich habe viele Freunde durch Hinrichtungen verloren", schaut Imam Dögüs auf diese Jahre zurück. 1995 wurde er wegen seiner politischen Arbeit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.
Er tauchte unter - hoffend auf eine Amnestie. 1999 gelang die Flucht nach Griechenland. Seine Rückführung verhinderte er durch einen einmonatigen Hungerstreik.
Sein Weg führte ihn schließlich nach Deutschland, nach Stuttgart, Frankfurt am Main, Köln, Düren und in die Nähe von Detmold. "Nach der Drittländerregelung war meine Abschiebung nach Griechenland geplant" erinnert sich Imam Dögüs an die aufregende Zeit. Vor der Abschiebehaft flüchtete er nach Rostock. "Ich hoffte auf tolerante Behörden, die aus Lichtenhäger Ereignissen gelernt haben", sagt er. Er sollte sich täuschen. Seine Asylanerkennung wegen politischer Verfolgung wurde weiterhin abgelehnt.
Im Februar 2000 fand Imam Dögüs bei der Innenstadtgemeinde der Evangelischen Kirche Asyl. "Ich bin dankbar, dass die Kirchengemeinde mich aufgenommen hat", sagt er. Und: "Ich danke der Studentengemeinde, die mich mustergültig in der Gertrudenkapelle betreute. Stellvertretend für alle möchte ich mich bei Ute Paulitschek und Pastorin Christiane Körner bedanken", sagt Imam Dögüs.
Im Juni 2003 konnte Imam Dögüs das Kirchenasyl verlassen. Er wird geduldet, aus "Gesundheitsgründen". Sein Leben in Deutschland finanzieren die Eltern aus der Türkei. An eine Rückkehr ist nicht zu denken. Imam Dögüs beginnt ehrenamtlich zu arbeiten. Er erlernt die deutsche Sprache so, dass er als Dolmetscher bei Asylbewerberverfahren helfen kann, schreibt für die Flüchtlingszeitung "Human Place", wird Mitglied im Vorstand des Flüchtlingsrates. Er ist Mitglied der "Antirassistischen Initiative Rostock". 2004 wird er von Ministerpräsident Harald Ringstorff mit einer Urkunde für seine ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet.
Imam Dögüs ist Rostocker, aber immer noch kein Deutscher. Er ist geduldet. Die Griechen haben seine Rücknahme abgelehnt. So hofft er auf ein erneutes Asylverfahren auf der Grundlage des Dubliner Abkommens von 2006. "Es ist eine unsichere Position, in der ich mich befinde", hofft Imam Dögüs dennoch auf einen positiven Ausgang seines Asylantrages.
JÜRGEN FALKENBERG
Ostseezeitung-Rostock
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