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Aus dem Getto entronnen
29.01.2007
Güstrow (eros) • Im voll besetzten Jüdischen Gemeindehaus gedachten am Sonnabendabend Menschen in Güstrow auf besondere Weise der Holocaust-Opfer. "Gedenken heißt, die Vergangenheit bewältigen und diese nacherzählen", sagte Folker Hachtmann. Diese selbst gestellte Vorgabe zu erfüllen, fand der Pastor i.R. zwei Zeitzeuginnen.
Die erste, vor wenigen Jahren erst bekannt geworden als Irena Sendler, stellte Joachim Wieler in Film und Worten vor. Das Leben dieser polnischen katholischen Krankenschwester hatte für Aufsehen gesorgt, als erst jetzt bekannt wurde, dass sie Rettungsaktionen für 2500 jüdischen Kinder aus dem Warschauer Getto koordinierte. "Sendlers Liste" machte Schlagzeilen und der Weimarer Wieler die zurückgezogen Lebende ausfindig; jetzt ist die 96-Jährige für die Verleihung des Friedensnobelpreises nominiert.
Die zweite Zeitzeugin des Abends war selbst zugegen. Margot Bouzier - sie hätte eines von Sendlers Kindern sein können: 1935 in Berlin geboren, als zweiwöchiger Säugling von der jüdischen Mutter nach Warschau gebracht. Die Hoffnung, das Kind sei dort in Sicherheit, trog, fünf Jahre später fand es sich im Getto wieder. Bei den Wirren dort, Aufständen, Schießereien, sei sie "irgendwie herausgekommen" - und auf vielen Umwegen schließlich wieder nach Berlin. "Ich habe eigentlich nie ein richtiges Heim und Zuhause gehabt. Jetzt, in Güstrow, geht es mir besser", erzählt Margot Bouzier ergriffen. Seit drei Jahren lebt sie hier.
Schweriner Volkszeitung-Güstrow
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