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Greifswald: Gedenktag widmet sich Künstlerverfolgung in der Nazizeit

25.01.2007

Greifswald (epd/emau). Zu einer gemeinsamen Veranstaltung am Holocaust-Gedenktag laden Universität und Hansestadt Greifswald ein. Der Kunstwissenschaftler Klaus Tiedemann werde am 27. Januar in Greifswald einen Vortrag über Künstlerverfolgung in der Nazizeit am Beispiel des Güstrower Bildhauers, Schriftstellers und Zeichners Ernst Barlach (1870-1938) halten, teilte die Universität mit.

Als der Bildhauer und Dramatiker Ernst Barlach am 24. Oktober 1938 in einer Rostocker Klinik gestorben war, veröffentlichte die SS-Zeitschrift "Das schwarze Korps" wenige Tage später einen ganzseitigen Nachruf unter der Überschrift "War Barlach Kulturbolschewist?". Der Artikel ist bezeichnend für das zwiespältige Verhältnis der Nazis zu diesem Künstler: Dass er ein Könner war, wolle man nicht bestreiten, aber die Wesensart seiner Kunst führe für sie zur Ablehnung Barlachs als einem "Künder einer Lehre, die uns fremd ist und die gleichzeitig Gefahr bedeutet für die einfache, klare Linie, die wir suchen".

Nach einem vernichtenden Urteil über Barlachs Kunst von Alfred Rosenberg im Völkischen Beobachter 1933 erhielt der Künstler in der Folge Ausstellungsverbot, sein Werk wurde als "entartet" verfemt. Zwischen 1934 und 1938 verschwanden alle Ehrenmale Barlachs für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus dem öffentlichen Raum, die meisten wurden zerstört. 1937 war Barlachs "schlimmes Jahr": 381 seiner Werke wurden aus den öffentlichen Sammlungen entfernt und beschlagnahmt. Die Geschichte dieser exemplarischen Künstlerverfolgung in der Nazizeit versucht der Vortrag nachzuzeichnen. Klaus Tiedemann ist Direktor und Leiter der Barlach-Museen in Güstrow und Ratzeburg.

Der 27. Januar wurde 1996 von Alt-Bundespräsident Roman Herzog zum nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. An diesem Tag wurde 1945 das NS-Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit.

epd

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