Widerstand fängt früh an
23.01.2007
Wittenburg (Von Christoph Wesemann) • Die Zehntklässler des Christian-Ludwig-Liscow-Gymnasiums haben gestern beim Projekttag über die NPD und Demokratie gesprochen. Zu Gast war Ministerpräsident Harald Ringstorff. Harald Ringstorff sagt, was er anderswo schon gesagt hat. Die NPD versuche, "den parlamentarischen Betrieb zu stören und die Demokratie handlungsunfähig zu machen". SPD, CDU, FDP und Linkspartei.PDS hätten aber von früheren Auftritten der Rechten gelernt. "Wir lassen uns nicht provozieren." Dass der Ministerpräsident mehr Einsatz von den Bürgern verlangt, auch weil die großen Parteien allein zu schwach seien für die NPD, findet mancher unbegreiflich. Ringstorff, den die SPD-Landtagsabgeordnete Margret Seemann begleitet hat, bleibt auf Nachfrage bei seiner Meinung.
Nur ein Schüler mischt in der Politik mit
Rechtsextremismus und der Umgang mit dieser Gefahr seien am Gymnasium seit langem ein wichtiges Thema, sagt Schulleiter Gerd Jaacks und spricht von vielen politisch aktiven Lehrern. Die Schüler indes hielten sich zurück. Es fehle ihnen nicht bloß der Wille. Sie wüssten oft nicht, wie sie sich engagieren sollten. Nur ein Zehntklässler mischt in der Politik mit. Christoph Rheinschmitt ist Mitglied der Jusos, der Nachwuchsorganisation der SPD. Die Jugend sei die Zukunft, sagt er und findet nach diesem Allgemeinplatz zu einer Erkenntnis, die so falsch nicht klingt: "Darum konzentriert sich die NPD gerade auf uns."
Im vergangenen Jahr haben die heutigen Zehntklässler die Vergangenheit studiert: Hitler, Holocaust und Zweiter Weltkrieg. Nun widmen sie sich am Projekttag dem Einzug der NPD in den Landtag und der Bedrohung für die Demokratie. Mit Cornelia Neumann und Susanne Theilmann vom Schweriner Büro des Mobilen Beratungsteams für demokratische Kultur MV haben sie in den Stunden vor Ringstorffs Besuch Ideologie und Strategien, Strukturen und Herrschaftsgebiete der Rechten besprochen. Unterricht auf diese Weise wirke, sagt Direktor Jaacks. Die Schüler seien im Vergleich zu früheren Zehntklässlern deutlich besser informiert. "Sie beobachten die politische Entwicklung genau und sind auch besorgt."
Eine Stunde spricht Ringstorff über Politik, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ganz gleich, ob G8-Gipfel, NPD oder DDR, EU oder Abi - der Ministerpräsident redet, wie er immer und überall redet: unaufgeregt, jedes Wort wählend, den Mecklenburger Mono-Tonfall stets im Mund. Keine Frage bringt ihn aus der Ruhe.
Sympathisch wirkt er auf die Gymnasiasten. Mancher lobt die Ruhe in seiner Stimme. Maximilian Neitmann aber sagt später, er hätte sich gewünscht, dass der Ministerpräsident eindeutiger antworte. "Herr Ringstorff kann Fragen sehr gut ausweichen. Ja oder nein wäre mir lieber gewesen." Die einfachen Antworten jedoch - auch das haben die Gymnasiasten am Projekttag gelernt - geben oft die vermeintlichen Besserwisser und Alleskönner von der NPD.
Schweriner Volkszeitung-Hagenow
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