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"Integration ist ein langer, komplexer Prozess"

28.12.2006

Waren. Der Jugendmigrationsdienst des Christlichen Jugenddorfwerkes (CJUD), der hier zu Lande seit 2004 ansässig ist, begleitet und betreut junge Migranten in den Landkreisen Müritz, Güstrow und Demmin. Wurden im vergangenen Jahr 423 deutschstämmige Spätaussiedler und Ausländer bis 27 Jahre, die eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland besitzen, beraten, so sind es derzeit 243. Sie kommen aus zehn Ländern, überwiegend aus Osteuropa. 80 von ihnen haben im Müritzkreis eine neue Heimat gefunden.

"Die Integration muss als ein langer und komplexer Prozess verstanden werden, bei dem beide Seiten, Migranten und Aufnahmegesellschaft, gleichermaßen gefordert sind. Die Betreuung erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von drei Jahren, wobei das Erlernen der deutschen Sprache im Vordergrund steht. Viele Migranten lernen schneller gut Deutsch und können vorzeitig weiter integriert werden. Andere benötigen einen längeren Zeitraum, als die vorgesehenen drei Jahre", berichtete Ingrid Laatz, Leiterin des Jugendmigrationsdienstes im CJD Waren. "Ein großer Teil der Migranten kommt ohne ausreichende Sprachkenntnisse und mit unrealistischen Vorstellungen über Schule und Beruf zu uns", so Laatz. Diese Gruppe bedürfe eines komplexen Beratungs- und Hilfsangebotes, damit die soziale und gesellschaftliche Integration gelingt.

Ein Hauptteil der Arbeit nimmt die individuelle Begleitung der jungen Migranten ein. Dabei geht es den Mitarbeitern des CJD in erster Linie um alltagsorientierte Beratung und Hilfe bei Problemen in der Familie, Schule oder Ausbildung beziehungsweise bei der Lehrstellensuche. Mit jedem dieser Jugendlichen wird ein Integrationsplan, der sich an Nah- und Fernzielen orientiert, erarbeitet.

Oft stoßen die jungen Migranten an Grenzen, wenn sie zum Beispiel ihre Freizeit gestalten wollen. Sie treten unsicher auf, wenn sie Freizeiteinrichtungen besuchen und fühlen sich nicht willkommen. Deshalb organisieren die Mitarbeiter des Jugendmigrationsdienstes auch Gruppenveranstaltungen, die sich aus Bildung, Orientierung, Sport und Geselligkeit zusammensetzen. Schwerpunkte sind unter anderem Informationen zu Ausbildung und Beruf, Heranführung an Informationstechniken, Bewerbungs-, Sprach- und Kommunikationstraining, Exkursionen, Sportnachmittage und die Organisation von Veranstaltungen mit deutschen Teilnehmern.

Das Projekt "TEAM", was so viel heißt wie testen, erproben, anwenden und motivieren, haben die CJD-Mitarbeiter gemeinsam mit den Argen der drei Landkreise und der Beruflichen Integrationsschule Malchow über einen dreijährigen Zeitraum realisiert. Für die 137 Migranten lief es am 30. Juni dieses Jahres aus. "Sie haben das Angebot gut angenommen, weil wir ihnen mit dem Projekt die Möglichkeit gaben, eine Berufsfachsprache zu erwerben, sich am Arbeitsmarkt und an den damit verbundenen Anforderungen zu orientieren und sich selbst zu testen", erklärte Teamleiterin Ingrid Laatz. "Obwohl die Projekt-Teilnehmer zuvor alle einen Sprachkurs absolviert hatten, mussten wir feststellen, dass viele von ihnen noch immer Deutschmängel besaßen. Um dieses Defizit auszugleichen, haben wir zusätzliche Übungen in das Projekt eingebaut."

Die Arbeit am Computer, bestehend aus einem EDV-Grundkurs und einer Beschäftigung mit Lernprogrammen wie Hauswirtschaft, Kfz-Berufe, Elektronik, Deutsch am Telefon und andere war ebenfalls Bestandteil des Projektes "TEAM". Dabei haben sich zahlreiche Teilnehmer selbst einen Computer angeschafft und sind so besser in der Lage, theoretische und praktische Kenntnisse weiter zu vertiefen. Wie Teamleiterin Ingrid Laatz informierte, wollte der Jugendmigrationsdienst im CJD Waren dieses Projekt gern weiter führen. "Leider wurde es nicht bewilligt."

Von Gerhard Wrase

Nordkurier-Waren

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