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Sichtbares Erinnern an die Opfer

Im kommenden Jahr sollen in Sassnitz 13 Stolpersteine verlegt werden. Die standen im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde des Friedensbündnisses.

07.12.2006

Sassnitz. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", erinnerte die ehemalige Sassnitzerin Heike Radvan während einer Veranstaltung des Rügener Friedensbündnisses und der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Grundtvighaus an den Leitgedanken des Gründers der Stolpersteine-Bewegung, Günter Demnig aus Köln.

Von der Stolpersteine-Beauftragten der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin erfuhren die 50 Zuhörer innerhalb der Rügener Veranstaltungsreihe "Wer will eigentlich Krieg ?", dass in Deutschland bereits 9000 Stolpersteine-Messingtafeln in 184 Städten in Gehsteigen einbetoniert wurden. "Damit wird konkret und gut sichtbar an Menschen erinnert, die Opfer der Nazi-Diktatur zwischen 1933 und 1945 wurden", informierte Radvan.

"Warum daran erinnern? Stolpersteine nach Garz in Sassnitz, Bergen und . . .?", lautete das Motto der vom freien Journalisten Andreas Küstermann moderierten Veranstaltung. "Seit 1930, spätestens nach der Machtergreifung 1933, wurde der Nationalsozialismus auf Rügen in extremer Art und Weise ausgelebt", begründete das Mitglied des Rügener Friedensbündnisses, Dr. Wolfgang Urban. Er bezog sich auf in den sechziger und siebziger Jahren veröffentlichte Untersuchungen. Demnach habe die Nazi-Führung in Berlin damals die NSDAP-Mitglieder auf der Insel zur Zurückhaltung aufgefordert, als diese zu gewalttätig wurden. "Bei den deutschlandweiten Wahlen 1932 verzeichnete die NSDAP auf Rügen bereits große Erfolge", berichtete der Historiker weiter und mahnte: "Bestimmte Stimmungen können hier dazu führen, dass Demokratie abgewählt wird", erklärte er im Hinblick auf die Ergebnisse der Landtagswahl.

"Zerstörungen von Stolpersteinen durch Rechtsgesinnte kommen vor, aber es bewährte sich, neue Tafeln sofort wieder mit Beton einzugießen", betonte Heike Radvan, die in den neuen Bundesländern die Stolpersteine-Bewegung betreut. So nahmen in Pasewalk zahlreiche Menschen an einer Zweitverlegung teil. "Heute wird dort von vielen Bürgern auf die Stolpersteine aufgepasst", berichtete sie.

Eine Lehrerin der Sassnitzer Förderschule kritisierte, dass in den Schulbüchern für den Geschichtsunterricht der aktive Widerstand gegen die Nazi-Diktatur ungenügend dargestellt wird. Dies sei ein großes Manko, denn gerade die Einbeziehung engagierter junger Menschen, könne der heutigen Verbreitung rechter Ideologien erfolgreich entgegen wirken und das politische Klima insgesamt positiv verändern, darin waren sich alle Beteiligten auf dem Podium und zahlreiche Diskussionsteilnehmer einig.

INGO OBERMANN

Ostseezeitung-Rügen

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