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Fußballfan oder Hooligan?

Fachtagung zum Thema Gewalt am Rande des Fußballs / Vereine nicht interessiert? / Bützow als Beispiel

28.11.2006

Bützow/Güstrow (ZVS) • Erstmals trafen sich Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung, Landesfußballverband, Vereine und Verbände, um Erfahrungen im Umgang mit gewaltbereiten "Fußballfans" auszutauschen. "Fußballfan oder Hooligan?" lautete das nicht ganz treffende Thema einer Tagung, zu der der Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung Mecklenburg-Vorpommern und der Landesfußballverband eingeladen hatten. Es ging, genauer gesagt, um Gewalt und Gewaltprävention im Amateurfußball. Im Hörsaal der Landessportschule saßen allerdings nur wenige Vertreter von Fußballvereinen, die das eigentlich angeht. Willkommen waren alle an dem Thema Interessierten, direkt eingeladen waren rund 100 Kreisverbände und Vereine, von Letzteren waren aber nur ein gutes Dutzend Vertreter gekommen - niemand aus Güstrow und Umgebung.

Als der Geschäftsführer des Landesrates für Kriminalitätsvorbeugung, Armin Schlender, die Zusammenkunft von rund 70 Teilnehmern eröffnete, knüpfte er an den aktuellen blutigen Vorfall im Fußball an, in Paris nach dem UEFA-Cup-Spiel zwischen Paris St. Germain und Hapoel Tel Aviv. Geschehen nicht in Deutschland und fern von Mecklenburg-Vorpommern, zudem im Profifußball. Doch Erscheinungen von Gewalt und Rassismus nähmen auch im Amateurbereich zu, stellte Schlender fest. Detlef Müller, Vizepräsident des Landesfußballverbandes M-V und Mitglied des Landtages (SPD), verkündete dagegen die gute Nachricht: Die weitaus meisten dieser Spiele verliefen regulär, ohne Störungen. Dennoch: Die Schwelle für aggressives Verhalten, für Fehlverhalten auf dem Rasen, auf den Zuschauerrängen sowie vor und nach den Spielen sei gesunken. Der LFV-Vize regte an, ähnlich wie in den Profiklubs auch in den Amateurgemeinschaften Fanbeauftragte als Bindeglieder zu den Anhängern einzusetzen. Dass die Sorge wegen Schlägereien, Pöbeleien sowie rassistischen und diskriminierenden Schmähungen von gegnerischen Spielern und Unparteiischen auch auf Sportplätzen des Landes nicht unbegründet ist, dafür nannte Müller Beispiele.

Angriffe auf Schiedsrichter, Spieler, Zuschauer

In einem Spiel der Bezirksliga Nord zwischen Rambin und Gingst revanchierte sich ein gefoulter Spieler - nachdem der Schiedsrichter Freistoß gepfiffen hatte - beim "Täter" mit einem Kopfstoß. Der Mann flog natürlich mit Rot vom Platz, verfolgt von rüden Beschimpfungen durch den gegnerischen Trainer. Damit nicht genug, drangen Auswechselspieler der gegnerischen Mannschaft in die Kabine ein, in die sich der Rot-Sünder zurückgezogen hatte, und begannen, auf ihn einzuschlagen. Zu allem Überfluss fehlte es auch nicht an ausländerfeindlichen Äußerungen gegen den vom Platz gestellten Sportler, einen Albaner.

In einem anderen Fall flog während einer Verbandsliga-Partie aus einer angrenzenden Kleingartenanlage ein schwerer Eisenhaken auf das Spielfeld.

Das dritte Vorkommnis mag sicherlich das gesteigerte Vergnügen manches primitiven Besuchers ausgelöst haben. Ein Zuschauer rannte an den Spielfeldrand und zerrte dem Schiedsrichterassistenten die Hose herunter. Und obwohl die Polizei gerufen wurde, hatte der Hosenzieher Gelegenheit, den Mann an der Linie später noch einmal angreifen zu können.

Ein weiterer Vorfall, 14 Tage zuvor geschehen am Rande des Landesligaspiels des TSV Bützow bei Eintracht Schwerin II: Aus einer Polizeiinformation geht hervor, dass sich Bützower "Fans" bereits vor dem Spiel ordentlich Mut angetrunken hatten und später zu randalieren begannen. Die herbeigerufene Polizei versuchte die Lage zu deeskalieren. Doch schon flog eine Flasche in Richtung Streifenwagen, verfehlte ihn aber. Bald warfen die Randalierer weitere Flaschen und pöbelten gegen die Beamten. Sie wurden sogar tätlich, es kam zu einem Handgemenge, acht Störenfriede wurden schließlich festgenommen. Fassungslosigkeit bei den Verantwortlichen, denn dieser Gewaltausbruch sei absolut nicht zu erwarten gewesen, es habe auch aus dem Spiel heraus keinen erkennbaren Anlass dazu gegeben. Allerdings: Ein Einzelfall war das Auftreten angeblicher Bützower Fußballfreunde allerdings nicht. Und: Die Bützower stehen nur beispielhaft da.

Gefragt: Zusammenarbeit

Verein, Polizei, Kommune, Über Erfahrungen des FC Hansa Rostock bei der Verhinderung von Gewalt im Profifußball sprach Rainer Friedrich, Verantwortlicher im Klub für Sicherheit. Probleme bereite vor allem eine Gruppe gewaltbereiter Personen mit starkem Selbstdarstellungsdrang, die besonders nach Alkoholgenuss Feuerwerkskörper und andere Gegenstände werfen, pöbeln und zu Handgreiflichkeiten neigen. Zur Ultraszene der gewalttätigen Personen gehörten in der Rostocker Region lediglich etwa 30 Leute im Alter zwischen 16 und 22 Jahren, die als Kleinkriminelle bereits auffällig, z.T. straffällig sind. Sie verfügten allerdings über ein beträchtliches Mitläuferpotenzial, was sie so gefährlich werden lasse. Hooligans würden jedoch meist nicht in den Stadien, sondern nach besonderen Ritualen in möglichst unbeobachteter Umgebung Schägereien untereinander inszenieren. Sie seien eigentlich nicht diejenigen, die gezielt Spiele stören oder sich mit Sicherheitskräften anlegen. Die Gegenüberstellung "Hooligan und Fan" sei daher zu undifferenziert.

Friedrich berichtete von der Bildung eines Fanbeirates beim FC Hansa vergangenes Jahr u.a. mit dem Ziel, die Fans im Bemühen um Gewaltfreiheit und Fairnes ins Boot zu nehmen. Man könne so Maßnahmen gegen Diskriminierung und Rassismus besser von unten her, also von und mit den Fans selbst initiieren und nicht nur als Vorgabe von DFB oder Vereinsführung einleiten. Friedrich empfahl vor allem die enge Zusammenarbeit von Verein, Kommune und Polizei, was auch von kleinen Vereinen und Gemeinden praktiziert werden könne.

Schweriner Volkszeitung-Bützow

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