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Front Deutscher Äpfel provoziert

Eine Satiregruppe hat eine Burschenschaft in Greifswald gegründet. "Malumia" nimmt nationalistische Tendenzen in Studentenverbindungen aufs Korn.

17.10.2006

Greifswald (OZ) Mit einer Burschenschaft der ganz anderen Art will die bundesweit bekannte Satiregruppe "Front Deutscher Äpfel" in Greifswald die nationalistischen und frauenfeindlichen Tendenzen in den etablierten Burschenschaften der Universität aufs Korn nehmen. Die vor wenigen Tagen gegründete "Malumia Grypsvaldensis" werde neben der klassischen Aufklärungsarbeit mit originellen Aktionen die Hintergründe des Vereinsleben der Studentenverbindungen publik machen, kündigte Vereinschef Sebastian Jabbusch an.

"Wir sind national, radikal und ideologisch verblendet", bekannte Jabbusch, der in Greifswald Politikwissenschaft im siebten Semester studiert. Gerade nach dem Einmarsch der NPD in den Schweriner Landtag müsse man deren Vorläuferorganisationen im Auge behalten. Im akademischen Bereich seien dies die Burschenschaften "Markomannia" und "Rugia", sagte Jabbusch. "Wir wollen in der Öffentlichkeit zeigen, was wirklich hinter dem traditionellen Image der Burschenschaften steht und wie sehr deren Mitglieder von rechtsextremem Gedankengut geprägt sind!"

Der Satireverein "Front Deutscher Äpfel" hatte bereits im Vorfeld der Landtagswahlen mit Aufmärschen vor allem in den als NPD-Hochburgen geltenden östlichen Landesteilen Mecklenburg-Vorpommerns für Aufsehen gesorgt.

Zur Immatrikulation der Erstsemestler hatten die etwa 20 Mitglieder der neuen Burschenschaft "Malumia" im Greifswalder Stadtzentrum in überspitzter Form ein symbolisches Mensurenfechten veranstaltet.

"Wir haben uns ein Vereinshaus organisiert, Farben bestimmt, ein schickes Wappen erstellt sowie einen Zirkel und einen Ehrenkodex konzipiert", sagte Jabbusch. "Unseren Spaß nehmen wir ernst." Geplant seien Veranstaltungen, in denen zum Beispiel unter Einbeziehung der Öffentlichkeit die für Burschenschaften typischen Trinkspiele und Partys durch den Kakao gezogen und die in den Vereinen herrschenden völkischen, nationalistischen und sexistischen Ideologien offengelegt würden.

In der Greifswalder Studentenschaft stieß die ungewöhnliche Neugründung überwiegend auf Zustimmung. "Eine coole Idee", sagt Carsten Schönebeck, Student für Kommunikationswissenschaften, der selbst Mitglied in der katholischen Studentenverbindung "Alemannia" ist. Die schon 1983 in Greifswald wiedergegründete Vereinigung zähle inzwischen über 200 Mitglieder, sagt Schönebeck.

"Wie die beiden anderen Burschenschaften pflegen auch wir lebenslange Freundschaften zwischen ehemaligen Studenten. Rituelle Mensuren, strenge Hierarchien und rechtsradikales Gedankengut aber haben in der "Alemannia" keinen Platz!", betont Schönebeck.

Infos: www.apfelfront.de

RALPH SOMMER

Ostseezeitung

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