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Bürgermeister: Wahl spiegelt politische Verhältnisse wider

21.09.2006

Von den Redakteuren

Mecklenburg-Strelitz. Der Helpter Bürgermeister Willi Posdzich (CDU) ist angesichts des Wahlergebnisses der NPD in seiner Gemeinde sprachlos. Im Ortsteil Pasenow, einst Hochburg der Linkspartei, entschieden sich 21,6 Prozent für die NPD. Das ist der höchste Stimmenanteil, den die Rechtsextremen im Landkreis einfuhren. In Helpt selbst wählten zehn Prozent die NPD. Diese Zahl ist nach Ansicht von Posdzich schon hoch. Aus seiner Sicht handelt es sich "wohl um Protestwähler".

Die Gemeindevertreterin Katrin Salow wird deutlicher: Eine Menge Frust sei schon dabei. Sie nennt die hohe Arbeitslosigkeit. Und viele die Arbeit hätten, könnten sich auch nichts leisten, sagte sie. Die Löhne würden gering bleiben, die Kosten dagegen steigen. Die Wahlbeteiligung in Pasenow betrug etwas über 50 Prozent. Katrin Salow hatte so eine Ahnung: Von Wahl zu Wahl wählten immer mehr Leute die NPD.

Die arbeitslosen Jugendlichen Marco Jeske (22) und Christian Salow (19) aus Pasenow haben über das Ergebnis im Ort "gestaunt". Optisch deute im Dorf aber nichts auf Rechtsextremismus hin. Marco Jeske und sein Kumpel wünschen sich, dass die Gemeinde junge Leute in Pasenow mehr fördert. Es müsse ja nicht gleich ein Jugendclub sein so wie er in Helpt besteht. Die Jugend des Dorfes treffe sich in einer alten Garage. Da gehe es zum Beispiel um Farbe.

Die desolate Arbeitsmarktlage ist für Amtsvorsteher Hans-Joachim Conrad (CDU) der Hauptgrund für die vielen NPD-Stimmen im Woldegker Bereich. Wenn es zu wenige Ein- Euro-Jobs gebe, die meisten Leute weiterhin zu Hause sitzen, dann seien die Weichen dafür in Berlin falsch gestellt worden. Vor Ort könne man wenig gegensteuern. Es gebe Jugendclubs, die Feuerwehr sei aktiv, zählt er Angebote auf. Jetzt müsse darüber geredet werden, was sich ändern kann.

In der Gemeinde Grünow, zu der neben Grünow auch Ollendorf gehört, entschieden sich 15,2 Prozent der Wähler für die NPD. Die Wahlbeteiligung war mit 63,3 Prozent vergleichsweise hoch. Bürgermeister Lothar Niendorf (CDU) sagt: "Ich nehme an, dass es sich um Protestwähler handelt, die von den Parolen beeinflusst wurden." Aus seiner Sicht "müssten die Leute nicht ausweichen". Die Gemeinde ist für eine gute Jugend- und Kulturarbeit bekannt. Doch einige Bewohner sehen auch, dass Ollendorfer und Grünower wie auch Einheimische und Zugezogene oftmals keinen Draht zueinander finden. Es gebe Leute, die sich als Verlierer fühlen und sich abschotten, heißt es. Lothar Niendorf will die Wahl auf der nächsten Gemeindevertretersitzung auswerten. "Wir müssen versuchen, die Leute zu erreichen, aber wie will man das machen?", fragt sich der Bürgermeister.

Mit 17,6 Prozent bei den Zweitstimmen gab es auch im Wahllokal Lüttenhagen, in dem neben den Lüttenhägenern auch Cantnitzer und Weitendorfer wählten, einen sehr hohen Stimmenanteil für die Rechten.

Lutz Teichfischer, Bürgermeister der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft, warnt aber vor übereilten Schlussfolgerungen. Auf die einfachen Parolen, mit denen die Rechten auf Stimmenfang gegangen sind, mit vereinfachten Antworten zu reagieren, wäre falsch. Auch dürfe man die Einwohner nicht an den Pranger stellen. Gerade Lüttenhagen sei ein mit einer lebendigen bürgerlichen Szene. Eine rechte Szene sei nicht bekannt. Ursachenforschung gibt es so kurze Zeit nach der Wahl auch in der Gemeinde noch nicht. Wohl aber hat die Landtagswahl die politischen Verhältnisse widergespiegelt, vermutet der Bürgermeister. "Mit den Stimmen ist niemand glücklich, aber man muss sie zur Kenntnis nehmen". Hysterische Reaktionen hält Lutz Teichfischer für unangebracht. Hingegen gehe es künftig darum, "das wir, was wir tun, besser deutlich machen", betonte Teichfischer. Vor allem aber brauche das Land Bedingungen, die Menschen erst gar nicht darauf brächten, die NPD zu wählen. Aktionsbündnisse sind aus Sicht von Lutz Teichfischer nicht der richtige Weg. Dort blieben die Gegner von Rechts meist unter sich.

Nordkurier-Neustrelittz

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