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"Gen-Dreck weg"-Rufe in Lüsewitz

G8-Gegner protestierten gestern in Groß Lüsewitz gegen die Gentechnik-Versuche. Auf den Feldern wurde aber nichts zerstört.

11.08.2006

Groß Lüsewitz. Einige kamen per Pkw, einige mit dem Bus. 80 Teilnehmer des Camps der G8-Gegner, das in dieser Woche in Kirch Mulsow bei Wismar stattfindet, marschierten gestern mit "Gen-Dreck weg"-Rufen und Plakaten durch Groß Lüsewitz. Stunden vorher war bereits die Polizei vor Ort. "Vorsorglich", wie Polizeisprecher Volker Werner betonte. "Das Camp ist offiziell angemeldet. Daher wussten wir, dass es in Richtung Felder ging." In diesem Land könne jeder frei seine Meinung äußern. Probleme gebe es nur, wenn Dinge zerstört würden.

Dazu kam es in Groß Lüsewitz nicht. Der als "Spaziergang zu den Gentechnik-Feldern" deklarierte Protestmarsch verlief friedlich. "Ich war noch nie auf einem Gentechnikfeld, ich wollte mir das hier mal ansehen", sagte Lea aus Berlin. Genversuche lehne sie ab - aus gesundheitlichen Gründen. "Man weiß doch gar nicht, was passiert, wenn man genveränderte Lebensmittel isst", meinte die 21-Jährige. Armin Meyer vom Barnimer Bündnis gegen Gentechnik hätte ganz gern ein paar Genpflanzen herausgerissen, wie einige Tage zuvor bei einer der "Feldbefreiungen" im Brandenburgischen. Da der 65jährige, frühere Taxifahrer im Kirch Mulsower Camp jedoch niemanden fand, der mitmachen wollte, unterließ er es.

Prof. Inge Broer von der Rostocker Universität ließ sich auf ernsthafte Gespräche mit den jungen Leuten ein. "Wir wollen ja gerade herausfinden, welche Risiken der Anbau genveränderter Pflanzen birgt", versuchte die Wissenschaftlerin zu erklären. Die fanden das "auch ganz okay, dass sie extra hergekommen ist. Auch wenn das nichts an unserer Meinung ändert", wie Katarina aus Rheinland-Pfalz meinte. Für sie steht fest: "Die Gentechnik bringt Kleinbauern in armen Ländern in die Abhängigkeit von Konzernen wie Monsanto und BASF."

Mehrere Lüsewitzer betrachteten das Ganze aus sicherer Entfernung. "Damit will ich nichts zu tun haben. Wir sind in einem Alter, in dem man Ruhe braucht", meinte ein Rentner. "Aber so lange sie nichts kaputtmachen ...." Vor dem AgroBioTechnikum kam es dann allerdings zu einer vorläufigen Festname, nachdem eine Demonstrantin einer Polizistin bei einer Auseinandersetzung in den Arm gebissen hatte.

ELKE EHLERS

Ostseezeitung-Rostock

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