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"Dialog" hilft bei Integration

10.08.2006

Von Nicole Hinz

Torgelow. Es ist wohl auch seine sprachliche Gewandtheit, weshalb ihm die Leute so viel Vertrauen schenken. Denn ohne Zweifel: Der gebürtige Franzose siedelte vor knapp 22 Jahren nach Deutschland über und so beherrscht Jean-Yves Nossin die hiesige Sprache beinahe perfekt. Ein paar französische Brocken hier, ein bisschen zu viel Akzent dort - aber der Rest stimmt. Und das ist sicher auch das Wichtigste für seine derzeitige Arbeit als Sprecher des Torgelower Vereins "Dialog e.V.". Vor knapp drei Jahren haben sich er und ein paar andere engagierte Bürger dazu entschlossen, jenen Verein in der Ueckerstadt zu gründen. Mit einem Ziel: Spätaussiedler, Migranten und Minderheiten in die Gesellschaft zu integrieren und den Verein als Sprachrohr zu benutzen, um von Einheimischen verstanden zu werden. Schon weit vor der Gründung hätten sich viele Spätaussiedler bei dem 58-Jährigen in Torgelow gemeldet, hätten sein soziales Engagement genutzt, um sich von ihm helfen zu lassen. Überwiegend bei Verwaltungsbescheiden, hinsichtlich wichtiger Amtsgespräche - die Liste war lang. So sehr, dass Nossin die freiwillige Arbeit förmlich über den Kopf wuchs und er schließlich an einen Verein dachte, in dem Migranten gemeinsam mit Einheimischen "arbeiten" und sich helfen. Inzwischen ist "Dialog e.V." ein wichtiger Bestandteil im Torgelower Stadtbild, genauer gesagt in der Karlsfelder Straße. Was für Nossin, den Sprecher des Vereins, an der Gesamtstruktur so besonders ist? "Dass bei uns nicht nur die normale Kommunikation und Alltagsbewältigung der Migranten im Vordergrund steht", sagt er. So sei der Verein zudem besonders darauf ausgerichtet, bei der sprachlichen und beruflichen Integration zugewanderter Menschen zu helfen, ohne die die gesellschaftliche Teilhabe nicht denkbar wäre.

Den ersten Schritt dürften die Verantwortlichen bereits erfolgreich gemeistert haben. Während einige erwachsene Spätaussiedler sich im Chor "Dialog" musikalisch zusammengeschlossen haben und eng mit den Mitgliedern des evangelischen Kirchenchores in Torgelow kooperieren, engagieren sich junge Migranten auf ganz andere Art und Weise. In Zusammenarbeit mit der Torgelower Albert-Einstein-Schule haben die Direktorin und der Verein Schülerfirmen ins Leben gerufen, in denen die Heranwachsenden - darunter auch einzelne Spätaussiedler - erste praktische Erfahrungen hinsichtlich ihres späteren Berufslebens sammeln können. Für das kommende Schuljahr sei unter anderem ein Projekt Internetradio und eine Gruppe mit jungen Plakatdesignern geplant. "Damit sollen sich die Kinder und Jugendlichen frühzeitig orientieren und herausfinden, in welche berufliche Richtung sie einmal gehen wollen", sagt Jean-Yves Nossin.

Und weil die Integrationsarbeit in dem Torgelower Verein bislang schon sehr gut funktioniert, hat das Schweriner Sozialministerium mit einem Förderbescheid in Höhe von 32 000 Euro die Projekte für das laufende Jahr gesichert. "Darüber freue ich mich natürlich ganz besonders", sagte denn auch der Landtagsabgeordnete der Linkspartei.PDS, Gerd Walther, nachdem Sozialministerin Marianne Linke den Scheck an Vereins-Sprecher Nossin und dessen Schatzmeisterin Ludmila Imberi überreichte. Gerd Walther arbeitet sehr eng mit "Dialog e.V." zusammen, bietet darüber hinaus auch den Verantwortlichen bei schwierigen Aufgaben seine Hilfe an. "Die Förderung setzt jetzt aber auch eine hohe Erwartung an den Verein und dessen Arbeit", betonte Walther. So hoffe er, dass mit Kontinuität in Sachen Spätaussiedler-Problematik in der Grenzregion auch künftig positive Zeichen gesetzt werden können.

Nordkurier-Ueckermünde

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