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Jugendliche arbeiten Wismars braune Vergangenheit auf

Fünf Jugendliche erforschen derzeit die Wismarer Ringbande - eine Widerstandsgruppe gegen die Nationalsozialisten im 2. Weltkrieg.

08.08.2006

Wismar. "In Wismar/Mecklenburg gründeten Jugendliche die Ringbande mit gleicher Zielsetzung. Sie beabsichtigten darüber hinaus Störung der Ruhe und Ordnung im Staat und waren bereit, bewaffnet gegen die Polizei vorzugehen. Im Falle der Revolution beabsichtigten sie, den HJ-Streifendienst und HJ-Führerschaft an Bäumen aufzuhängen. Ihre Einstellung war bewusst antideutsch."

Diesen Ausschnitt aus einem Bericht des Reichsjustizministeriums von 1943 haben fünf Wismarer Jugendliche im Internet gefunden. Bernd ist 16, besucht das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium, der gleichaltrige Philipp geht auf die Ostseeschule, Karsten ist 21 und Azubi.

Karsten beschreibt die Schwierigkeit des Projektes: "War der Bericht Propaganda oder waren diese Jugendlichen in Wismar wirklich so hart drauf?" Denn das bisschen, was im Wismarer Stadtarchiv bis dato zu finden war, ist natürlich sehr von der Zeit des Archivierenden geprägt.

Einmal werden die Mitglieder der Jugendbande als Verbrecher dargestellt, dann wieder als Helden im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Was wirklich vor 63 Jahren geschehen ist, wollen die Jugendlichen jetzt herausfinden.

"Man kennt Gruppen wie die ,Weiße Rose`", erklärt Karsten. "Aber dass es Ähnliches auch in Wismar gab, ist nicht bekannt." Dabei liegt der Schluss doch nahe, hatte Wismar aufgrund der Kriegsindustrie mit den Flugzeugwerken Dornier beispielsweise eine wichtige Rolle für die Nationalsozialisten.

Also muss es auch Gegenbewegungen gegeben haben. "Die Menschen denken, so etwas gab es nur in den Großstädten", sagt Bernd und erzählt von einem Vorfall in den Dornier-Werken. Arbeiter haben antifaschistische Parolen an die Wände ihrer Werkhalle geschrieben. Sie wurden gefasst und hart bestraft.

Die Jugendlichen hoffen nun, in den Polizeiberichten des Schweriner Archivs mehr zu finden. Namen, Daten, Fakten, um die politische Propaganda, egal aus welcher Richtung, mit der historischen Wahrheit belegen zu können.

Ziel des Projektes ist die Aufarbeitung der Forschungsergebnisse als Broschüre. Auch zum Mutmachen gegen die derzeitigen rechtsextremen Bestrebungen in Wismar. Gefördert wird die Arbeit von der "Stiftung Demokratische Jugend" im Rahmen des Fördertopfes "Zeitenspringer 2006".

Als Nächstes wird die Gruppe im Schweriner und Rostocker Archiv weiterrecherchieren. Sie hofft auch auf Zeitzeugen und Hinweise der Leserinnen und Leser der OSTSEE-ZEITUNG - bitte schriftlich per Mail an ringbande@gmx.de oder per Post an das Tikozigalpa in der Dr.-Leber-Straße 38 in 23966 Wismar ("Betreff: Ringbande").

NICOLE HOLLATZ

Ostseezeitung-Wismar

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