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Ansturm auf den Nazi-Bildhauer

Breker-Ausstellung verzeichnet fast 5000 Besucher / Macher weisen Kritik zurück

02.08.2006

Schelfstadt (Von Philip Schroeder) - Kulturdezernent Hermann Junghans und Ausstellungskurator Rudolf Conrades sehen sich bestätigt: Die Arno-Breker-Ausstellung verzeichnet einen Besucheransturm, heute soll die 5000-Gäste-Marke geknackt werden. Die von vielen Seiten vorgetragenen Vorwürfe, mit der Schau werde Nazi-Kunst wieder salonfähig gemacht, weist Conrades zurück, ebenso wie die Kritik von Dr. Volker Probst am Ausstellungskonzept. "Nazi-Sprüche habe ich noch keine gefunden", sagt Rudolf Conrades und meint damit das im Foyer des Schleswig-Holstein-Hauses ausliegende Gästebuch, in dem die Besucher ihre Meinung zur umstrittenen Arno-Breker-Ausstellung niederschreiben können. Das Gästebuch zeigt: Die Schau "Zur Diskussion gestellt - der Bildhauer Arno Breker", die bis zum 22. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr im Schleswig-Holstein-Haus zu sehen ist, zieht Besucher aus ganz Deutschland an, teilweise sogar aus dem Ausland und aus Übersee. Heute rechnet die Stadt mit dem 5000. Gast der Ausstellung.

Kritik des Experten "betrifft nur Details"Kunsthistoriker Dr. Volker Probst, Leiter des Güstrower Barlach-Museums und ausgewiesener Breker-Experte, hatte in einem Beitrag für SVZ den Schweriner Ausstellungsmachern Ungenauigkeiten bei der Auswahl, Beschilderung und Erläuterung der Exponate und dem Begleitkatalog Oberflächlichkeit vorgeworfen. "Details" nennt Conrades diese Kritik. Außerdem habe er Dr. Probst ja angeboten, sich an der Begleitung der Breker-Ausstellung zu beteiligen: "Bei der Suche nach Autoren für den Katalog habe ich ihn als ersten angerufen und angefragt - aber er wollte nicht."

Dass das Ausstellungsprojekt umstritten ist, kann nicht überraschen: Arno Breker war der auserwählte Bildhauer Adolf Hitlers. Breker sollte die künstlerische Dekoration für die architektonische Kulisse der Völkerschlächterei der Nazis liefern - und tat es mit Begeisterung und unbestrittenem bildhauerischen Talent. Dass nun in der Schweriner Ausstellung neben der von Breker gelieferten Fassadendekoration das wahre Gesicht des Nationalsozialismus fehlt, sieht Rudolf Conrades nicht als Mangel an: "An Wissen über den Nationalsozialismus ist kein Mangel. Man muss nicht immer Bilder von KZ-Toten als Argument einsetzen." Aber muss man nicht das wahre Grauen hinter der falschen Schönheit der Statuen zeigen, wenn man über den Künstler urteilen will? Die Entlarvung Brekers gelinge der Ausstellung auch ohne plakativen Hinweis auf die Gräuel des Nazi-Regimes, betont Conrades: "Wir stellen den Nicht-Charakter Breker in seiner Entwicklung dar." Mit dem pauschalen Verweis auf dessen Tätigkeit für die Nazis und einer damit begründeten Generalverdammung sei kunstwissenschaftlich nichts gewonnen, so der Kurator: "Skulpturen in einem ähnlichen Stil gab es in ganz Europa." Bei einer kunsthistorischen Beurteilung Brekers gebe es eben nicht nur Schwarz und Weiß, sondern "viele Grautöne, die man ins Auge fassen muss, wenn man ein Bild gewinnen will".

Schweriner Schau "macht eigenes Bild möglich"Den Weg zu so einem neuen kritischen, aber offenen Blick auf Arno Breker, auf dessen Werk und seine Hintergründe möglich zu machen, das sei der Schweriner Ausstellung gelungen. Ultimativ und endgültig für die Breker-Betrachtung sei die Schau in der Landeshauptstadt nicht, aber sie sei "ein Anfang, die Tabuisierung zu überwinden", so Rudolf Conrades.

Mit überwältigendem Echo: Die "Süddeutsche Zeitung" aus München, die französische "Le Figaro", sogar die ehrwürdige "New York Times" widmen der Schweriner Ausstellung große Artikel. Auch für Rudolf Conrades war das internationale Echo unerwartet: "Mit dieser Reaktionsbreite habe ich nicht gerechnet." Begeisterung auch bei Kulturdezernent Hermann Junghans: "So ein Echo wird in Schwerin mit einer Ausstellung kaum je wieder möglich sein. In drei bis vier Jahren wird vielleicht ein großes Museum das Thema neu aufnehmen."

Diesen Anstoß-Charakter der Ausstellung betont auch Rudolf Conrades ein ums andere Mal: "Die Leute sind begeistert. Nicht, weil sie Breker toll finden, sondern weil sie sich endlich ein eigenes Bild machen können." Denn er ist überzeugt: Wenn Brekers Werk ein gefährlicher Zauber innewohnt, dann liege er in der Tabuisierung des Künstlers. "Was an Mythos bei Breker drin war, geht durch solche Ausstellungen weg."

Schweriner Volkszeitung-Schwerin

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