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"Die Intoleranz nimmt wieder zu"

12.07.2006

Von Frank Wilhelm

Neubrandenburg. Viel Zeit blieb Matthias Trägner und André Sandmann gestern nicht, Claudia Roth ihren Verein "Rosalila" vorzustellen. Denn irgendwie kam man im Gespräch mit der Grünen-Vorsitzenden gleich auf das Thema Rechtsextremismus. Darum geht es ja schließlich auch bei der Tour von Claudia Roth durch Mecklenburg-Vorpommern.

Einerseits müssten die Bündnisgrünen natürlich am 17. September in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einziehen - weil es nicht sein könne, dass immer nur drei Parteien das Sagen hätten im Land. Andererseits müsse mit allen Mitteln verhindert werden, dass die NPD in das Landesparlament einzieht, stellte Claudia Roth klar. "Die NPD schadet dem Land." Dies zeige sich auch an der Tatsache, dass die Urlauberregion Usedom nur selten von Ausländern besucht werde. Aus ihrer Sicht konzentriere die NPD in Deutschland derzeit alles auf den Wahlkampf für Mecklenburg-Vorpommern.

Ein Bindeglied zwischen dem erstarkenden Rechtsextremismus und der Situation von Schwulen und Lesben, für die sich "Rosalila" engagiert, wurde dann aber doch gefunden. Denn Homosexuelle gehörten bekanntermaßen neben Juden, Sinti und Roma sowie anderen Bevölkerungsgruppen zu den Verfolgten im Dritten Reich. Längst hätten die Neonazis aber auch die Parolen zu dieser Problematik geschickter verpackt als noch vor wenigen Jahren, hieß es in der Runde. Was die eigentliche Arbeit des Vereins betrifft, stehe man wie schon vor 15 Jahren vor einem großen Problem: das Coming-out junger Menschen zwischen 12 und 24 Jahren.

Immer noch scheuten sich Frauen und Männer in diesem Alter, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen. "Das Problem hat sich in den vergangenen fünf Jahren sogar wieder verstärkt", sagte Matthias Trägner. Möglicherweise auch, weil es der Verein schwer hat, mit seinen Beratungsangeboten über die Schulen an die Jugendlichen heranzukommen. "Die Intoleranz von Lehrern und jungen Leuten gegenüber diesem Thema nimmt wieder zu", sagte er.

Lesbisch-schwules Leben gehöre nach wie vor nicht zum anerkannten Alltag der Gesellschaft, ergänzte Sandmann. Ein Phänomen, das Claudia Roth aus eigenem Erleben auch aus anderen Bundesländern bestätigen konnte.

Begeistert zeigte sie sich von den Räumlichkeiten der Initiative in der Gebrüder-Boll-Straße und im Speziellen von der öffentlich zugänglichen Bibliothek. Mehr als 400 Titel findet der Nutzer hier - angefangen von Krimis mit homosexuellem Hintergrund bis hin zum Sachbuch.

Nordkurier-Neubrandenburg

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