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Neonazis sind auch in Greifswald aktiv

24.06.2006

Innenstadt - Gegen ein Foto für die OSTSEE-ZEITUNG vor einer Schautafel mit grölenden Nazis haben Peter, Johannes und Nicole (Namen geändert) nichts einzuwenden. Im Rathaus informierten sich die Schüler aus Niepars auf der Ausstellung "Neofaschismus in Deutschland" über die Ideologien und Praktiken rechtsextremer Gruppen wie NPD und DVU .

Eine Stunde später stehen die Drei überraschend in der Redaktion. Sie haben es sich anders überlegt. Ihre Gesichter und dazu die vollen Namen - dass ist ihnen zu riskant geworden. Sie haben Angst. Angst vor rechten Schlägern. "Die Nazis sind in Niepars stark. Wir befürchten Nachteile", äußert Peter seine Bedenken.

Die Entscheidung der Schüler gegen das Foto kann Dirk gut verstehen. Der 25-Jährige behält seinen Nachnamen lieber für sich. "Eine Vorsichtsmaßnahme", erklärt er. Zusammen mit anderen Mitstreitern vom IKUWO-Kulturzentrum hat er die Wanderausstellung nach Greifswald geholt. "In Niepars sowie Ostvorpommern sind die Rechten, gut organisiert", weiß der 25-Jährige. Und auch in der Hansestadt sei die braune Szene aktiv. "Kameraden" wollten zum Beispiel auf Schulhöfen CD's mit rechter Musik verteilen. Ihr Treiben fiele nur nicht so auf, weil die Rechten ihr Image verändert hätten. Glatze, Springerstiefel und Bomberjacke seien passé. "Neonazis haben jetzt auch lange Haare und Ohrringe, tragen T-Shirts mit dem Konterfei von Ché Guevara", weiß der Organisator.

Auf der Ausstellung ist der bundesweite "Kampf um die Straßen, Köpfe und Parlamente" der Neonazis auf vielen Schautafeln gut dokumentiert. "Mit der Ausstellung wollten wir vor den Wahlen möglichst viele Schüler über Rechtsextremismus aufklären. Schließlich will die NPD in den Landtag einziehen", erklärt er.

Das Interesse an der Ausstellung war groß. Die Dokumentation besuchten 13 Klassen mit 280 Schülern. "Diese positive Resonanz hat uns überrascht", freut sich Dirk. Enttäuscht ist er dagegen von den Politikern. Er glaubt: "Die ignorieren das Thema." An die Bürgerschaft wurden nämlich 41 Einladungen verschickt. Aber nur ein einziger Lokalpolitiker habe die Einladung angenommen.

U. ROLL

Ostseezeitung-Greifswald

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