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100 000 Demonstranten zum G 8-Gipfel erwartet

Rund 300 Gegner des Gipfels in Heiligendamm trafen sich am Wochenende in Rostock. Sie planen "kraftvolle und massive Aktionen".

27.03.2006

Rostock (OZ) Von wegen Anarchie und Umsturz. An der Wand stehen Kochrezepte und der Stundenplan der 9b. Am Fenster blühen Primeln und an der Tafel hängt ein kreatives Etwas aus dem Kunstunterricht. Mittendrin rund 300 Globalisierungsgegner mit bunten Schals und Trainingsjacken. Sie sind in einer Rostocker Schule zusammengekommen, um ihre Aktionen für den 2007 geplanten Gipfel der acht führenden Industrienationen (G 8) in Heiligendamm, zu beraten.

Zu den Teilnehmern gehören neben Umweltbewegungen und Gewerkschaftern, kirchlichen Gruppen und verschiedenen Friedensaktivisten auch linke Netzwerke sowie die PDS und die Antiglobalisierungsinitiative Attac. Deren Vertreter, Pedram Shayhar, erklärt: "Die Politik der G 8 steht für immer mehr Armut, Verschuldung und Umweltzerstörung. Darum wird dieser Gipfel auf Kritik und massiven Widerstand stoßen."

Wie der aussehen kann, darüber beraten Arbeitsgruppen, in denen Standpunkte analysiert und Rednerlisten abgearbeitet werden. Es geht um die Frage, ob blockiert werden soll und wer eine entsprechende Choreografie erarbeitet. Jemand fordert, dass der Umgang mit der Polizei trainiert werden muss, ein anderer mahnt, die Kreativität der Einzelnen nicht zu sehr einzuschränken. Auch konkrete Vorschläge gibt es. "Man könnte den Gipfel schauspielerisch nachstellen". Oder "mobile Musikgruppen springen aus einem Kleintransporter, machen ein Fünfminutenkonzert und verschwinden wieder". Ganz Mutige könnten eine "Erschrecktaktik" anwenden. Heißt: "auf Polizistinnen zurennen - stehen bleiben - und eine Blume geben".

Die Frage möglicher Randale beim Gipfel spielt hingegen kaum eine Rolle. "Von uns wird keine Gewalt ausgehen", versichert Peter Wahl von Attac. Monty Schädel vom Rostocker Bündnis gegen den G 8-Gipfel wirbt sogar für eine Partnerschaft. "Proteste müssen in einer Demokratie erlaubt sein." Um die Demonstranten dabei zu unterstützen, könnten die Verwaltungen von Rostock und Bad Doberan während der Gipfeltage Unterkünfte und Verpflegung beisteuern. Immerhin werden mehr als 100 000 Leute zu den Protesten in Heiligendamm erwartet. Das Koordinierungsbüro plant unter anderem einen Gegengipfel zu sozialen und friedenspolitischen Themen, eine Großkundgebung, ein Zeltlager und Kulturevents. "Dabei geht es uns nicht in erster Linie darum, ,Nein' zum Weltwirtschaftsgipfel zu sagen", meint Wahl. "Wir wollen sichtbar machen, dass wir Alternativen haben."

Szenarien, wie brennende Autos, zerstörte Geschäfte und aufgerissene Straßen seien reine Panikmache und unbegründet. Im Gegenteil: "Die Demonstranten sind auch ein Wirtschaftsfaktor für die Region. Die essen, trinken, fahren Taxi und übernachten in Hotels. Weil die Gegend hier sehr schön ist, überlegen sie sich auch, ob sie vielleicht hier Urlaub machen", erklärt Wahl. So gesehen . . .

MANUELA PFOHL

Ostseezeitung

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