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Opposition und Vertreibung durch Schüler erforscht
17.02.2006
Von Angela Stegemann
Pasewalk/Stettin. Wie wird aus heutiger Sicht die Geschichte der Vertriebenen am Ende des II. Weltkrieges betrachtet? Wie ist die polnische und deutsche antikommunistische Opposition zu werten? Diese Fragen wollen Schüler der Pasewalker Arnold-Zweig-Europaschule sowie des Stettiner Lyzeums Nummer VI beantworten. Jeweils 20 Schüler aus beiden Einrichtungen beteiligen sich an dem Projekt "Perspektivwechsel".
Angeregt und organisiert wurde das Vorhaben vom Institut für Deutschland und Norddeutschland. Die Förderung übernehmen die Robert-Bosch-Stiftung und die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern.
Wie Norbert Haack, Leiter der Pasewalker Europaschule informierte, sind insgesamt zehn Veranstaltungen geplant. Für das Projekt stehen rund 9000 Euro zur Verfügung.
Mit Jan Bach vom in Stettin ansässigen Institut für Deutschland und Norddeutschland arbeitet die Schule schon länger zusammen, sagt Norbert Haack. Bach habe die Anregung gegeben, dass Deutsche und Polen ihre Tabus hinsichtlich des Themas Oppositionelle und Vertriebene brechen sollten. Gemeinsam entstand die Idee, dass deutsche Schüler polnische Betroffene befragen und polnische junge Leute Deutsche.
Eine schwierige Problematik für 15- bis 16-Jährige? "Für die jetzige junge Generation ist das nicht mehr ein so heißes Thema", weiß Geschichtslehrerin Christiane Hellwig, die an der Europa-Schule gemeinsam mit Lehrer Christoph Kraatz das Projekt betreut. Das Problem ist nur, dass es für die deutschen Schüler der neunten Klasse völliges Neuland ist. Die Problematik wird im Unterricht erst in einem Jahr behandelt. Deshalb wurden Schüler ausgesucht, die an der Thematik ein ganz besonderes Interesse zeigen. Christoph Kraatz ist mit seinen Geschichtskurs-Schülern dabei.
Während die Stettiner schon Kontakt zu Deutschen aufnahmen, die nach 1945 gezwungen wurden, das Gebiet Westpommerns zu verlassen, begaben sich die Pasewalker Schüler bereits ins Nachbarland. Sie sprachen dort mit Andrzej Kotula, der in den 80-er Jahren in der polnischen Opposition engagiert war. Außerdem wollen sie die Geschichte von polnischen Menschen erforschen, die aus von der Sowjetunion einverleibten Gebieten abtransportiert wurden. Für die Pasewalker gibt es einen ganz besonderen Höhepunkt. Am 6. März werden sie in Danzig von Lech Walesa, einem bekannten Oppositionsführer, empfangen.
Im Mai wird das Projekt abgeschlossen. Die Präsentation auf deutscher Seite soll im Schweriner Landtag stattfinden. Die Forschungsergebnisse werden danach für eine breite Öffentlichkeit zugänglich sein.
Nordkurier-Pasewalk
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