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Asylbewerberheim schließt noch vor dem Fest

Bewohner werden nach Güstrow verlegt - Steinhäger enttäuscht

09.12.2005

Steinhagen - Das Weihnachtsfest werden die Bewohner das Asylbewerberheimes in Steinhagen nicht mehr in vertrauter Umgebung feiern können. Bis zum 20. Dezember soll die letzte Familie das Auffangheim verlassen. Nach langem Streit steht nun fest: Der Landkreis schließt die Einrichtung bis Jahresfrist.

In Abstimmung mit dem Landesamt für Asylbewerber habe der Landkreis Güstrow bereits 2004 den Mietvertrag zum 31. Dezember diesen Jahres gekündigt, erklärt Kreissprecherin Dr. Petra Zühlsdorf-Böhm. Hintergrund seien dramatisch rückläufige Asylbewerberzahlen. Deshalb soll es im Landkreis langfristig nur noch ein Heim geben - in Güstrow. "Dort haben die Menschen eine bessere Chance, am öffentlichen Leben teilzunehmen", argumentiert Zühlsdorf-Böhm. Diese Lesart hält Steinhagens Bürgermeister Hans-Joachim Frick für Unsinn. "Das Asylbewerberheim hat das Dorfleben belebt. Es gab nie Ärger", bedauert Frick die Entscheidung des Landkreises. Man habe vieles unternommen, um den Menschen das Leben angenehm zu machen: Unter anderem wurde ein Bus gekauft und ein Pendelverkehr eingerichtet.

Auch Vermieter Klaus Griepentrog war zu Zugeständnissen bereit. "Ich habe dem Landkreis angeboten, auf die Hälfte der Miete zu verzichten und die Gebäudeversicherung alleine zu tragen", erklärte er vor Monaten gegenüber der SVZ. Ersparnisse von 45 000 Euro sollten dadurch für den Landkreis entstehen.

Ein Dorf kämpft für sein Asylbewerberheim. So ganz eigenlos ist der Einsatz allerdings nicht. Die Gemeinde erhält finanzielle Zuweisungen, die abhängig von der Einwohnerzahl sind. Ein geschlossenes Asylbewerberheim bedeutet weniger Geld in der Gemeindekasse. Außerdem ist die Kita in Steinhagen in Gefahr. Die Einrichtung wird voraussichtlich nicht mehr ausgelastet sein, wenn Kinder aus dem Asylbewerberheim ausbleiben.

Noch 56 Menschen, hauptsächlich aus Togo und Vietnam, leben in Steinhagen. Viele haben das Asylbewerberheim, das Platz für 120 Einwohner bietet, bereits verlassen. Bis kurz vor Weihnachten sollen die letzten ihre Koffer packen. Ihre neue Adresse: das Asylbewerberheim in Güstrow.

Christoph Fox

Schweriner Volkszeitung-Bützow

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