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NPD-Erfolge sorgen für Ratlosigkeit

Lars Bergemann fordert nach dem guten Abschneiden der NPD bei der Bundestagswahl für ein Umdenken. Die Politik sollte das Gespräch mit den Rechten suchen, anstatt sich in die Schmollecke zurück zu ziehen.

21.09.2005

Ostvorpommern - Als Reaktion auf die Wahlerfolge der NPD vom Sonntag fordert Lars Bergemann einen neuen Kurs im Umgang mit den Rechten. In einem "Strategiegipfel" sollen Vertreter von Gemeinden, in denen die NPD mehr als fünf Prozent errang, die Ursachen für die Wahlerfolge analysieren und über geeignete Gegenmaßnahmen beraten, schlägt der Linkspartei.PDS-Politker vor. "Wir müssen mit den Leuten reden", sagt Bergemann. Die bisherige Strategie, die Rechten und ihr Umfeld sich selbst zu überlassen, ist spätestens mit den Wahlerfolgen gescheitert, sagt Bergemann. Er legt Wert darauf, dass dies seine Meinung als Einzelperson sei, unabhänig von seiner Parteizugehörigkeit. Am Wochenende erzielte die NPD in Ostvorpommern bei der Bundestagswahl 5,9 Prozent der Stimmen. In vielen Orten erhielt sie mehr als zehn Prozent.

"Wir müssen aus der Schmollecke raus", sagt Bergemann. Der NPD und der Kameradschaftsszene sei es gelungen, mit Angeboten einen Rückhalt in der Bevölkerung zu schaffen. "Die Rechten organisieren Fahrten zu Konzerten. Das ist für viele Jugendliche attraktiv. Als Gegenleistung wird dann Plakate kleben verlangt." Auch in der Nachbarschaftshilfe habe die Szene Erfolge. In sozialen Brennpunkten schaffen sie für alte Leute die Kohlen in den Keller und kümmern sich um den Einkauf. Auch das äußere Erscheinungsbild habe oft nur noch wenig mit dem Bild des finsteren Skinheads gemein. Bergemann: "Das sind die netten Jungs von nebenan."

Jetzt macht sich die Strategie offenbar bezahlt. In Orten, in denen die Rechten ein funktionierendes Netzwerk aufgebaut haben, konnte die NPD am Sonntag hohe Wahlerfolge feiern. Der PDS-Mann nennt Lassan, Ducherow und Bansin als Beispiele. Im Kaiserbad Bansin produziert ein eingetragener Verein um Enrico Hamisch den rechtsradikalen Insel-Boten und übt sich in nachbarschaftlicher Hilfe. 11,1 Prozent bekam die NPD am Sonntag im Wahllokal, das gleich um die Ecke liegt. Weit weniger als vier Prozent erhielten die Braunen im restlichen Bansin.

Die Erfolge der Rechtsradikalen lassen Ratlosigkeit aufkommen. Rudi Menge, Besitzer einer Werft und Hafenmeister in Lassan, zuckt mit den Schultern, wenn man ihn fragt, was man unternehmen könnte. "Es hat sicher viel mit Perspektivlosigkeit zu tun. Die meisten jungen Leute wandern ab. Die, die bleiben, wissen nichts mit sich anzufangen." In Lassan stimmten 12,7 Prozent der Wähler für die NPD.

Menge hat eine imposante Statur. Seine Hände sehen aus, als hätte er mit ihnen schon viele Boote gezimmert. Aber jetzt weiß auch er nicht mehr weiter. Dabei entwickelt sich etwas in Lassan. Viele Fachwerkhäuser sind schmuck saniert, allmählich entdeckt der Tourismus das romantische Städtchen. Dem Tourismus könnten die NPD-Erfolge schaden, sagt Menge. Und wirkt dabei ziemlich bedrückt.

GKW

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