links-lang fetzt!

::Features::

Link: Gegen den Nazi-Aufmarsch am 1. Mai in Neubrandenburg Link: Antirassistische Kampagne Stop it! Rassismus bekämpfen, alle Lager abschaffen Link: Antifaschistisches Infoblatt

::Suche::

Internet
links-lang.de

by Google

In ihrer Heimat droht Gefahr

125 ausreisepflichtige Ausländer leben in Greifswald, von Abschiebung bedroht. Hinter der nüchternen Zahl verstecken sich traurige Schicksale.

09.09.2005

Greifswald - Als die Soldaten auf die Frau einschlugen, stand Bakpo Kpako Toumou ein wenig abseits. Er hielt die Tat mit seiner Kamera fest, veröffentlichte die Aufnahme in der togoischen Oppositionszeitung. Von da an lebte der 34-Jährige in Gefahr. Zwei Mal entkam er den Häschern des Regimes, dann floh der junge Mann. Erst ins benachbarte Ghana, von dort aus nach Deutschland. Aus dem Fotografen wurde ein Asylbewerber.

"Seit Juni 2003 lebe ich in Greifswald", sagt Toumou. Deutsch spricht er schon ganz gut, gerät er ins Stocken, behilft er sich mit Französisch. Wie er hierher kam, lässt sich dennoch nur schwer beschreiben. "Eine Frau hat alles für mich organisiert", erklärt der Mann mit dem dunklen, gekräuselten Haar. Sein Flieger landete in Düsseldorf, dann schickten ihn die Behörden in die Hansestadt. Seitdem sind seine Tage lang. Fernsehen, sich mit anderen Asylbewerbern unterhalten, damit verbringt er die Zeit. "Wir können nichts tun", erzählt Toumou, "ich bin Kameramann und Fotograf, wollte mich weiterbilden, aber das wurde abgelehnt."

Auch Ayite Lawson würde gern arbeiten. "Ich mag nicht von Unterstützung leben. Ich bin Tischler", erzählt der 35-Jährige stolz. "Ich habe Kraft." Einen Job findet der politische Flüchtling trotzdem nicht. Trommelkurse in der Diakonie und Laufen sind seine einzige Abwechslung. Deutsche Freunde zu finden, ist für Asylbewerber nicht einfach. "Dunkle Menschen sind den Leuten hier fremd", meint Lawson. Zu Hause in Togo warten Frau und Sohn auf ihn. Sechs Jahre ist der Kleine, seinen Vater hat er seit drei Jahren nicht gesehen. Wenn der kräftige Mann darüber spricht, stockt seine Stimme. Auch Toumou musste Frau und Kinder zurücklassen. "Wir wollen nicht in Deutschland bleiben, auf Kosten des Staates leben", beteuert er. "Aber zurück können wir noch nicht, in Togo herrscht überall militärische Repression." Viele Oppositionelle seien schon verschwunden. Über Nacht. Spurlos.

Ein Schicksal, dass auch ihnen beiden droht. Toumous Asylgesuch wurde im vergangenen Oktober abgelehnt, sein neuer Antrag noch nicht beantwortet. Über Lawsons Aufenthalt entscheidet Mitte September das Schweriner Verwaltungsgericht. Die Chancen stehen schlecht, für Togo gilt derzeit kein Abschiebestopp. Da ist auch Bernd Kiesendahl, Leiter der Greifswalder Ausländerbehörde, machtlos. 125 ausreisepflichtige Ausländer leben in Greifswald. Früher waren es mehr, vier Flüchtlingsunterkünfte boten Obdach. Übrig blieb ein Haus. "Die meisten Asylanträge werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt", sagt er. "Der Anteil derer, die als Flüchtlinge anerkannt werden, ist sehr gering." Erfolgt die Ablehnung, müssen seine Mitarbeiter und er aktiv werden, den Aufenthalt beenden. Das ist Gesetz. "Ziel ist die freiwillige Ausreise der Betroffenen. Die Abschiebung ist das letzte Mittel", erklärt Kiesendahl. Ein teures. 2000 bis 5000 Euro kostet es, die Flüchtlinge außer Landes zu bringen. "Das ist aber weniger, als wenn sie das Sozialsystem belasten." So hart, wie das klingt, meint es der 42-Jährige nicht. "Ich mach' diesen Job seit 15 Jahren", sagt er, "und die Schicksale belasten mich immer noch. Vor allem, wenn es Familien trifft."

MARC-OLIVER POPPEN

Ostseezeitung-Greifswald

::Action::

The Toasters + Antispielismus
Konzert
22.05., Peter-Weiss-Haus Rostock

Die alternative Gewerkschaft - Industrial Worker of the World
Infoveranstaltung
24.05., Peter-Weiss-Haus Rostock

alle Termine
alle Presseartikel

::Presse::

22.05.2012 [NK]
"Falsche" Abstimmung der Warener Linken Thema im Landesvorstand / Der politische Fauxpax der Fraktion der Linken in der Warener Stadtvertretung zum Thema Mindestlohn hat sich bereits bis in die Parteispitze nach Schwerin herum gesprochen. Dort schüttelt man darüber nur mit dem Kopf.

21.05.2012 [NK]
Sakrileg der Linken: Votum mit dem Feind / Während der jüngsten Stadtvertretersitzung in Waren hat es einen Tabubruch gegeben: Die Fraktion der Linken stimmte für einen Antrag der rechtsextremistischen Abgeordneten Doris Zutt.

21.05.2012 [OZ]
Migranten empört über Nein zu Turgut-Weg / Die Ablehnung der Straßenumbenennung wird enttäuscht aufgenommen.

21.05.2012 [NK]
Kreis-Gremium will Demo-Antragsflut bei Behörden einen Riegel vorschieben / Im Ordnungsausschuss wird die Verwaltung der Seenplatte aufgefordert, gegen langfristige Anmeldungen vorzugehen.

15.05.2012 [NK]
500 junge Vorpommern erheben ihre Stimmen / Auf den Usedomer Peenewiesen herrschte am Sonnabend ein kreatives Treiben für Demokratie. Rund 500 junge Leute waren gekommen, um unter anderem ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.

15.05.2012 [OZ]
Bürgermeister fordert dazu auf, weiter weltoffen und tolerant zu sein / Stefan Weigler: Die Aufnahme von Asylbewerbern sollte sich an der gelungenen Integration von Spätaussiedlern orientieren.

15.05.2012 [OZ]
Prora zeigt Ausstellung über NS-Lager Sobibor / Eine polnische Wanderausstellung über das NS-Vernichtungslager Sobibor macht erstmals in Deutschland Station

14.05.2012 [OZ]
Grüne finden Schlapphüte doch gut / Der Landesparteitag in Güstrow bekennt sich im Kampf gegen Rechts zu Verfassungsschutz und Schweriner Weg.

alle Presseartikel