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Armutszeugnis statt Denkmal
25.08.2005
Von Frank Wilhelm
Neubrandenburg. Definitiv wird es im 60. Jahr des Kriegsendes kein Denkmal mehr geben, das an die Menschen erinnert, die die Viertorestadt wieder aufgebaut haben. Die CDU, die einen entsprechenden Antrag während der Sitzung der Stadtvertretung im Juni zurückgezogen hatte, werde bei der heutigen Ratsversammlung keinen neuen Vorstoß unternehmen, sagte gestern CDU-Fraktionschef Michael Nötzel. "Der Termin liegt zu dicht an der Bundestagswahl." Er habe Sorge, dass das Thema zerredet werde. Damit sei das Denkmal-Projekt aber nicht endgültig gestorben, sagte er.
Auch von der Fraktion der Allgemeinen Unzufriedenheit/Grüne(AU/G) wird es heute keinen Antrag zur Errichtung einer Gedenkstätte geben, erklärte Fraktionsgeschäftsführerin Beate Gora. Ausschlaggebend dafür war wohl, dass AU/G-Mitglied Harald Diehn bei der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses keine Sympathisanten für seinen Antrag fand. Diehn hatte vorgeschlagen, mit einem Stein das "Aufbauwerk der Neubrandenburger zu würdigen.
Die CDU wollte mit dem Denkmal allerdings an einen enger eingegrenzten Personenkreis erinnern an Neubrandenburger, Heimatvertriebene und Flüchtlinge, hieß es im Beschlussvorschlag vom Juni. Dies akzeptierte die PDS, offensichtlich mit Blick auf den Begriff Heimatvertriebene, so nicht, und schlug ihrerseits vor, an das "Aufbauwerk der Bewohner in den folgenden Jahren zu erinnern",woraufhin die CDU zurückzog. SPD-Ratsherr Roman Oppermann legte im Kulturausschuss den Finger auf die offene, ideologische Wunde: "Was ist eigentlich der Urkonflikt? Wenn man ein Denkmal für Vertriebene will, sollte man offen davon reden." Zugleich warnte er aber vor einem zu allgemein gehaltenen Denkmalstext. Der kleinste Nenner sollte nicht der Kompromiss sein, "dann haben wir das kleinste Gedenken".
Für Diana Kuhk (CDU), Vorsitzende des Kulturausschusses, steht fest, dass das Aufbauwerk in Neubrandenburg primär durch die Vertriebenen geleistet wurde. Es ist ein Armutszeugnis: Wir wollen ein Denkmal, können uns aber nicht einigen.
Nordkurier-Neubrandenburg
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