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Behrendtsche Deckel in Ostpreußen
18.08.2005
Von Rainer Marten
Pasewalk. Wenn am heutigen Tag Nachkommen von Paul Behrendt an der feierlichen Enthüllung des ersten Pasewalker "Stolpersteines" teilnehmen, dann können sie eine Gewissheit mit in ihre Heimatorte nehmen: Das Erbe ihrer Vorfahren, der Gründer und Besitzer der Eisengießerei und Maschinenfabrik Hirsch und später Paul Behrendt, ist heute lebendiger als sie möglicherweise ahnen.
Am gestrigen Tag besuchten die Pasewalker Klaus-Dieter Krentz und Ehefrau Angelika die Redaktion. Zusammen mit weiteren Familienmitgliedern weilte das Ehepaar vor nicht allzu langer Zeit in der russischen Enklave Kaliningrad, dem früheren Königsberg.
"Im Königsberger Gebiet, konkret in Abendwalde, wurde meine Mutter geboren. Wir waren also der Familiengeschichte auf der Spur", berichtet Angelika Krentz. Eine Reise führte unter anderem nach Trakehnen, wo in dem dort berühmten Gestüt der Großvater einst als Kutscher tätig war. Bei einer anderen Fahrt während des rund einwöchigen Aufenthaltes im Königsberger Gebiet besuchte die Familie die einstige Regierungsstadt Gumbinnen, heute Gusev. "Wir staunten nicht schlecht, als wir in Gumbinnen, rund 500 Kilometer von der Heimat entfernt, plötzlich auf den Kanalisationsschächten gusseiserne Abdeckungen mit dem Schriftzug 'H. Behrendt, Pasewalk' entdeckten", ergänzt Klaus-Dieter Krentz.
Dass Pasewalk einmal eine sehr bedeutende Eisengießerei hatte, hätten sie anschließend in Erfahrung gebracht. Von dem Fund fern des Wohnortes wurden natürlich Fotos für das Familienalbum angefertigt. Immerhin freue man sich, in der Ferne einen Gruß der Heimat zu finden. Die Behrendtsche Eisengießerei beschäftigt darüber hinaus auch bundesweit die Bürger. Erst am 5. August erhielt das Pasewalker Stadtmuseum eine Anfrage von Helmut Balschun aus Leer. Aus dem Königsberger Gebiet stammend, sei er in Gumbinnen über jene Deckel mit dem genannten Schriftzug gestoßen. "Da die Deckel zusätzlich einen Stern trugen war ich neugierig darauf, ob sie Teil der deutschen oder der sowjetischen Geschichten Gumbinnens sind", begründete Helmut Balschun gestern am Telefon sein Interesse für die Eisengießerei Behrendt aus Pasewalk. Aus seiner Sicht sei es stadtgeschichtlich sehr wichtig, derartige Dokumente auch der Nachwelt zu erhalten.
Nordkurier-Pasewalk
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