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Kreis erneut Brennpunkt der Nazi-Szene
16.06.2005
Von Uwe Reißenweber
Ostvorpommern/Schwerin. Der Landkreis Ostvorpommern wird im jetzt vorgestellten Verfassungsschutzbericht des Schweriner Innenministeriums nach wie vor als "regionaler Schwerpunkt der Neonazistrukturen" des Landes eingestuft. Genannt werden unter anderem noch Nachbarkreis Uecker-Randow und die Hansestadt Stralsund. Wie es in dem Papier weiter heißt, machen zwei wesentliche Tendenzen die Entwicklung der Szene in der hiesigen Region aus: "Einerseits die vielfältigen Propaganda- und sonstigen Aktionen, die eine hohe Motivation belegen und andererseits die fortgesetzten Bemühungen um eine überregionale Vernetzung der verschiedenen 'Kameradschaften' und sonstiger neonazistischer Gruppen".
Laut Verfassungsschutz übernehme bei der Propagandatätigkeit im Vorfeld von Veranstaltungen der so genannte "Nationale Medienverbund" mit Sitz in Wolgast eine koordinierende Funktion. Der Verbund zeichne darüber hinaus für die regelmäßige Herausgabe rechtsextremistischer Periodika wie beispielsweise den "Insel Boten" auf der Insel Usedom verantwortlich. Fortgesetzt habe sich die schon 2003 zu beobachtende Entwicklung neuer Strukturen, deren Ziel es offenbar sei, vor Ort auf die Bevölkerung Einfluss nehmen zu wollen, ohne dass sofort der neonazistische Hintergrund erkannt wird. Dazu zählen die Verfassungsschützer unter anderem die "Bürgerinitiative Schöner Wohnen in Wolgast". Genannt werden auch zwei Vereinsgründungen in Bansin: im September 2004 der "Insel Bote" und Anfang diesen Jahres der "Heimatbund Pommern" mit dem eingeschlossenen "Kulturkreis Pommern".
Versucht werde, durch die Organisation von Sportfesten, Wanderungen oder Geländespielen Nachwuchs für die rechtsextremistische Szene zu gewinnen (wir berichteten). Erwähnung findet im Bericht auch, dass die größte der so genannten "Heldengedenkveranstaltungen" im Land wie in den Vorjahren wieder an der Kriegsgräberstätte auf dem Golm mit 170 Teilnehmern stattgefunden habe.
Die Verfassungsschützer attestieren der Szene schließlich, dass sich die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen NPD und Neonazis weiter intensiviert habe: "Beispielhaft können dafür zwei Veranstaltungen in Anklam und in Wolgast gegen Hartz IV angeführt werden, bei denen beide Lager Redner stellen", heißt es. Zudem seien zwischen den aktiven NPD-Kreisverbänden Ostvorpommern, Stralsund und Rostock Absprachen über eine Zusammenarbeit mit der Kameradschaftsszene getroffen und umgesetzt worden. Ostvorpommern bilde außerdem mit neun Konzerten einen Schwerpunkt bei rechtsextremen Musikveranstaltungen im Land.
Nordkurier-Anklam
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