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Österreicher erinnerte an die Judenverfolgung
29.01.2005
Von B. VOSS
Innenstadt - "Wie es gewesen sein wird", ist die Frage, die nicht nur Doron Rabinovici umtreibt. Anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus las der Schriftsteller und Historiker Donnerstagabend im Rathaus aus seinen Büchern. In ihnen beschreibt er Versuche jüdischer Überlebender und ihrer Nachkommen eine neue Identität zu entwickeln, obwohl "nicht hier und nicht anderswo Heimat ist".
Die von Uni und Stadt organisierte Veranstaltung sollte an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor nunmehr 60 Jahren erinnern. Die Schwierigkeiten des Weiterlebens verdeutlichte Rabinovici in den vorgestellten Passagen aus seinen Romanen "Suche nach M." und "Ohnehin". Was der österreichisch-jüdische Autor kunstvoll in seinen Figuren anordnet, sieht er aber auch in der Realität: "Die Möglichkeit der Verantwortung ist genauso gegeben wie die zum Rassismus." Deswegen sei es ihm wichtig, "Nachwirkungen von Geschichte aufzuzeigen". Nach einstündiger Lesung im gut besuchten Bürgerschaftssaal berichtete Rabinovici von seiner Sicht auf die Diskussion eines neuen Antisemitismus, auf die politische Situation in Österreich und den schmalen Grat vorurteilsfreien Erinnerns. Wie schwer das Erbe dieser "Passionsgeschichte der modernen Zivilisation" wiegt, zeigt der Autor auch in den Generationen der Opfer- und Täterkinder. "Jeder schweigt von etwas anderem", lässt er eine Romanfigur denken. Bereits vormittags hatte Rabinovici auf Einladung des Historischen Instituts ein Seminar über Judenräte in Wien abgehalten. Während der Nazizeit hatten sie jüdisches Gemeindeleben organisiert und waren nach dem Kieg nicht selten der Kollaboration beschuldigt worden. Auch hier beleuchtete er Schwierigkeiten eines nachträglichen Urteils über Zwänge und Möglichkeiten des Überlebens. Was bleibt, sei nur eine Annäherung an die Frage, wie es gewesen sein wird.
Ostseezeitung-Greifswald
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