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Anklamer Gewaltnacht: Das erste Geständnis

Es waren Szenen, die der Stadt Angst machten: Eine Gruppe junger Rechter machte am 4. Mai im Zentrum von Anklam Jagd auf alternative Jugendliche, drei Opfer landeten im Krankenhaus. Gestern begann in Greifswald der Prozess gegen zwei mutmaßliche Täter.

11.09.2012

Von unserer Mitarbeiterin

Julia Opitz

Anklam/Greifswald.Toni R. und Tim L. sitzen schweigsam im Gerichtssaal, nur selten flüstern sie mit ihren Anwälten. Die beiden sind wegen schweren Landfriedensbruchs angeklagt. Toni R. soll die Telefonkette organisiert haben, mit der Rechtsextreme zusammengerufen wurden, um eine Gruppe Linker zu überfallen. Tim L. hingegen soll selbst zugeschlagen haben. Die Verteidigung der beiden könnte unterschiedlicher nicht sein: Während der Strafverteidiger Kroll, der Tim L. verteidigt, bisher noch nicht als Verteidiger der rechten Szene aufgefallen ist, zählen zu den Mandanten von Strafverteidiger Penneke die bekannten Mecklenburger NPD-Kader Michael Grewe und David Petereit. Entsprechend unterschiedlich agierten auch die Angeklagten. Tim L. lässt eine Erklärung verlesen, nach der er den Tathergang so schildert: Er sei herbeitelefoniert worden, weil es "Stress mit Punkern" gebe.

Bei der Auseinandersetzung selbst habe er einer Person mit einer Eisenstange gegen den Kopf und eine andere mit der Faust geschlagen. Zum Motiv schildert er, es habe sich um "Rache" gehandelt, er bestreitet jedoch ein rechtsextremes Tatmotiv.

Auf die Frage des Anwalts der Nebenklage, warum ausgerechnet er von Rechtsextremen herbeigerufen wurde, obwohl er eine politische Motivation bestreite, antwortet er nicht. Aber er ließ über seinen Anwalt eine Entschuldigung an die Opfer verlesen.

Toni R., Bruder des Bargischower Kameradschaftsaktivisten Daniel R., der dem rechtsextremen Heimatbund Pommern zugerechnet wird, tritt hingegen völlig anders auf. Er schweigt eisern.

Dafür beantragt sein Verteidiger Penneke zuerst Einblick in den Antrag der Nebenklage. Allein 15 Personen sind für diesen Prozess geladen. Zudem hat eines der Opfer Nebenklage eingereicht. Gleich der erste Zeuge der Nebenklage wird von Penneke ins Kreuzverhör genommen. Der Zeuge war zeitweilig bewusstlos.

Der Überfall wird im Wesentlichen von allen Zeugen übereinstimmend geschildert: Man habe sich zuerst im Park aufgehalten, sei dann aber weitergezogen in die Max-Sander-Straße. Plötzlich habe man mehrere Autos ankommen sehen, aus denen eine Gruppe Rechter ausgestiegen sei. Diese seien auf sie zugelaufen, die Angegriffenen flüchteten sich mehrheitlich in einen Keller, einer von ihnen habe die Tür geöffnet, um die Rechten zu beschwichtigen und sei sofort niedergeschlagen worden. Als die inzwischen von Zeugen gerufene Polizei eintraf, flüchteten die Angreifer. Später gab es dann wohl noch einen zweiten Angriff.

Für den Richter bleiben dabei jedoch noch einige Fragen offen: Welche Rolle spielte eine Auseinandersetzung zwischen einem Punk und einem Rechten am selben Tag am Bahnhof? Waren die Rechten bewaffnet? Woher wussten die Angegriffenen überhaupt, dass es sich um Rechte handelt? Nicht einmal die Größe der Gruppen, die aufeinandertrafen, ist klar.

Um diese Fragen zu klären, wird es wohl noch einiger Verhandlungstage bedürfen. Der Prozess wird am Donnerstag in Greifswald fortgesetzt.

Nordkurier-Anklam

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