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Imbiss-Brände: Polizei tappt im Dunkeln

Die Inhaber, ein Paar aus Vietnam, fürchten um ihre Existenzgrundlage.

16.08.2012

Neuenkirchen Zwei Brandstiftungen geben der Polizei derzeit Rätsel auf. Keine 60 Meter vom Supermarkt in Neuenkirchen entfernt, legten Unbekannte in diesem Jahr mehrfach Feuer in einem Imbisswagen. Die Vorfälle machten Schlagzeile. Sie aufzuklären, fällt offenbar schwer.

Le Chi Dung hat große Angst davor, dass sein Imbiss wieder brennt. Zweimal binnen weniger Wochen loderten darin die Flammen. "Wenn das wieder passiert, habe ich keine Chance mehr", sagt der 40-jährige Mann aus Greifswald. Asiatische Kost bietet er an, auch Döner. Kundschaft kommt, Kundschaft geht. Von morgens bis abends. Sechs Tage in der Woche. "Das ist harte Arbeit", sagt Le Chi Dung.

"Doch wir leben davon." Ohne den Wagen, fürchtet er, würden seine Frau und seine zwei Töchter ein Fall für Hartz IV. "Das aber wollen wir auf gar keinen Fall", sagt der Mann, der einst aus Vietnam nach Deutschland kam.

Das letzte Feuer ist zwei Monate her: Unbekannte brachen die Tür zum Imbiss auf, rafften Papier, Lappen und anderes brennbares Zeug zusammen und steckten es an. Dann machten sie die Tür zu und ließen den Dingen ihren Lauf. Handyfotos zeigen das angeschmolzene Kunststoffgehäuse eines Kühlschranks, total verrußte Innenwände, zerstörte Geräte. "Wir haben zwei Wochen gebraucht, um die Schäden zu beseitigen." Zwei Wochen, in denen Le Chi Dung und seine Familie nicht einen Euro verdienten. Eine Versicherung kam für den Schaden auf. Wie schon zwei Monate zuvor. Einen weiteren Brandfall, glaubt Le Chi Dung, würde sie nicht akzeptieren.

Seit es das letzte Mal brannte, bekommt Le Chi Dung des Nachts kaum ein Auge zu. Wenn andere schlafen, schaut er ein ums andere Mal nach seinem Wagen. "Inzwischen", sagt er, "bin ich richtig k.o."

Die Polizei kennt den Fall. "Wir verstehen die Verzweiflung von Herrn Dung", beteuert ihr Sprecher Axel Falkenberg. Antworten habe man allerdings keine. Zu vage seien die Indizien. Die Vorgehensweise der Täter spreche nicht unbedingt für einen fremdenfeindlichen Anschlag. Dennoch wolle man sicherheitshalber den Staatsschutz einschalten.

Nach OZ-Informationen gibt es Vermutungen, dass Le Chi Dung zu Schutzgeldzahlungen genötigt werden soll. Er selbst bestreitet das vehement. "Ich bin doch nur ein kleiner Imbiss!" Mehr als 20 Jahre lebt Le Chi Dung mittlerweile in Deutschland, seine Familie fühle sich wohl hier, er habe Freunde und Bekannte. Umso unverständlicher sei ihm, was da in Neuenkirchen mit seinem Imbiss passierte.

"Ich weiß nicht, warum Leute so etwas gemacht haben", sagt er und schüttelt dabei den Kopf. "Wir machen doch keinen Ärger, verkaufen nur Essen und leben ganz ruhig." Nach dem letzten Brand seien Leute mit Blumen zu ihm gekommen, Kunden hätten sogar den einen und anderen Euro geschenkt. "Das hat gut getan", sagt Le Chi Dung und legt seine rechte Hand an seine Brust.

Inzwischen bin ich richtig k.o."Le Chi Dung, Brandopfer

Sven Jeske

Ostseezeitung-Greifswald

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