|
::Features::
::Suche::
|
|
Werden Darguns Juden weiterhin vergessen?
11.08.2012
Von unserem Mitarbeiter
Gerald Gräfe
Dargun.Von außen, an den Hausfassaden erinnert nichts mehr an das Textilunternehmen und die Bankfiliale der Gebrüder Lichenheim in der Schlossstrasse 51, an das Kaufhaus von Theodor Lychenheim in der Schlossstrasse 5 bzw. 23 sowie an das Spezial-Putzgeschäft der Mathilde Mitau in der Schlossstrasse 27. Auch die Werbung für den Viehhändler Hugo Mitau in der Neubauter Straße 1 fiel in den 1980er Jahren der Modernisierung zum Opfer, wurde überputzt.
Und auch im "Inneren", im Bewusstsein der Darguner, ist das Wissen um deren jüdische Mitbürger nur noch vage ausgeprägt. Dabei prägten die Juden einst nicht nur das wirtschaftliche Leben. Sie fühlten sich ihrer mecklenburgischen Heimat verbunden und engagierten sich für diese. So Julius Lichenheim als Mitglied der Gemeindeversammlung und 1881 gar als Kandidat für den Posten des Ortsvorstehers. Die jüdischen Mitbürger Darguns gelangten zu Ansehen und Wohlstand. So konnte Kaufmann Lichenheim seinem Sohn Isidor ein Jura-Studium ermöglichen. Die Immatrikulierung des Darguner Juden 1881 an der Rostocker Universität ist bis heute in den Universitätsakten nachzulesen. Isidor benennt handschriftlich mit seinem Eintrag als Religion "israelitisch", als seine Staatsangehörigkeit "Mecklenburger". Denn als Mecklenburger und damit Deutsche fühlten sich auch die Darguner Juden.
Den Freitod der
Deportation vorgezogen
Doch wer in Dargun die noch lebenden potentiellen Zeitzeugen nach dem Schicksal der Juden in den späteren 1930er-Jahren befragt, der erntet fast nur Schweigen. Und so ist das Schicksal der letzten Darguner Juden heute so gut wie vergessen. So das von Richard Ludwig, geboren 1874 in Dargun und ums Leben gekommen im Ghetto von Theresienstadt am 5. April 1943. Von Betty Lychenheim, verehelichte Falkenstein, 1909 am Klostersee geboren, verlieren sich die Spuren mit dem 23. August 1944, als sie ins Konzentrationslager von Stuthof bei Danzig eingeliefert wurde. Solch einem Schicksal entzog sich Toni Lichenheim, verehelichte Löwenherz. Die 73 Jahre alte Witwe des Kommerzienrates Löwenherz aus Lauenförde bei Göttingen wählte für sich angesichts anstehender Deportation am 22. März 1943 den Freitod.
Berta und Ida Mitau waren die letzten, in Dargun verbliebenen Juden. Die beiden alten Frauen, die mit dem Sammeln von Lumpen zu überleben versuchten, wurden am 11. November 1942 über Altstrelitz nach Berlin und dann nach Theresienstadt gebracht. Dabei kamen von den 100 Transportierten bereits 94 ums Leben, bevor sie in Theresienstadt eintrafen.
Zwischen 1942 und 1944 wurden 146 Juden aus Mecklenburg nach Theresienstadt und Auschwitz verbracht. Nur ganze sechs von ihnen sahen das Kriegsende 1945 - Berta und Ida Mitau gehörten nicht zu ihnen. Der Totenschein der Berta Sarah Mitau hat sich erhalten: "Herzschwäche" haben die Ärzte der damals 84-jährigen attestiert, so wie vielen anderen "Verstorbenen" auch.
Briefe aus dem
rettenden Südamerika
Doch viele Dokumente zur jüdischen Gemeinde Dargun und deren Mitglieder haben überdauert: Im Schweriner Landeshauptarchiv gibt es einen größeren Bestand an Akten vor allem zu grundrechtlichen Fragen rund um die Synagoge bzw. zum jüdischen Eigentum am Klostersee. Dank der Mormonen in den USA sind die Matrikel der jüdischen Gemeinde Dargun aus den Jahren 1813 bis 1874 verfilmt. Im Bestand des Bundesarchivs in Koblenz kann so nachgelesen werden, welcher Darguner Jude wann geboren und wann gestorben ist, wann wer wen heiratete. Und die zwischen 1938 und 1941 geschriebenen Briefe von Ida Mitau an ihre Tochter Anni und ihren Schwiegersohn Bernhard Wolff im die beiden rettenden Südamerika sowie ein Fotoalbum aus ihrem Besitz ist heute der Forschung zugänglich.
Ein Gedenken an die vormaligen jüdischen Mitbürger am Klostersee heute? Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann (Die Linke) hätte damit kein Problem, würde dies sehr begrüßen. Deshalb habe die Stadtverwaltung Stolpersteine auch in Dargun angeregt. Doch seitens der Fraktionen im Stadtparlament ist dazu "keine Positionierung erfolgt", so Graupmann. Das auch nach nochmaliger Nachfrage über den Hauptausschuss.
Verstehen kann das Brigitte Ebert dieses nicht. Die langjährige Stadtbibliothekarin hat das Wenige an Schriftstücken zur Darguner Juden-Gemeinde im Archiv der Stadtverwaltung zusammengetragen und stellt es Schülern für deren Projektarbeit zur Verfügung. Hier verspürt sie zumindest ein Interesse an diesem Stück Darguner Historie.
Könnte man vielleicht Plaketten an einstigen Wohnhäusern der Juden anbringen? "Kein Problem damit" hat Sandra Da Cruz. Die Apothekerin hat das Lychenheim'sche Kaufhaus aufwändig rekonstruiert. Die Baptisten stehen zur Vergangenheit ihres Gemeindehauses, welches vor fast 200 Jahren als Synagoge errichtet wurde. Ausstellungen und Veranstaltungen zu den ursprünglichen Nutzern des Hauses finden darin seit Jahren regelmäßig statt - und der Davidstern am restaurierten Fachwerkbau erinnert an dessen Zeit als Synagoge...
Nordkurier-Demmin
|
|
|
::Action::
Infoveranstaltung "Fight Racism now!"
Infoveranstaltung
20.05., Café Median Rostock
Imam Baildi
Konzert
20.05., Peter-Weiss-Haus Rostock
alle Termine
alle Presseartikel
::Presse::
16.05.2013 [NK]
Fast jeden Tag eine rechtsextreme Aktion in MV / Auf elf Seiten listet das Innenministerium in Schwerin Veranstaltungen mit rechtsextremem Hintergrund im vergangenen Jahr auf. Und das sind nur die offiziell gewordenen.
15.05.2013 [SVZ]
NPD-Provokation vor dem Schloss / Die NPD will am 2. Juni in Schwerin zum Tag des offenen Schlosses auflaufen.
15.05.2013 [NK]
Als dumme Nazis die Bücher kluger Menschen verbrannten / Gedenken an Bücherverbrennung in Torgelow
15.05.2013 [NK]
Ordnungsamt: Nicht zu viele Fahnen im Zug der NPD / "Kein Grund zum Einschreiten"
15.05.2013 [OZ]
Zeitzeugen an der Stadtschule / Die Projektgruppe "Stolpersteine" lädt am 29. Mai zur Zeitzeugenveranstaltung mit Erich Kary in die Aula der Großen Stadtschule ein. Erich Kary wurde am 28. November 1924 in Angerburg (Ostpreußen) geboren.
14.05.2013 [OZ]
Nach Diebstahl: Greifswalder Stolpersteine werden neu verlegt / Die Plaketten, die an die vom NS-Regime deportierten und ermordeten Juden erinnern, waren in der Nacht vom 8. auf den 9. November 2012 gestohlen worden.
13.05.2013 [OZ]
Landespolitiker beleuchtet rechten NSU-Terror / Jürgen Suhr hält Vortrag im Grünen-Büro in Stralsund
11.05.2013 [OZ]
Fünf unbekannte Neonazi-Morde? Grüne verlangen Untersuchung / Die Gewalttaten zwischen 1996 und 2001 stehen in dem Verdacht, rechtsextremistisch motiviert gewesen zu sein. Die SPD lehnt eine öffentliche Aufklärung ab.
alle Presseartikel
|