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Den Nazis zeigen: "Wir sind nicht eurer Meinung"
In der Woche gegen Rechts diskutieren Politiker und Bürger brisante Themen.
10.08.2012
Stralsund Jedes Jahr macht die NPD ein Kinderfest am Sund. Das lässt einem Neunjährigen keine Ruhe. "Wo haben sie das Geld dafür her?", wollte der Schüler am Mittwochabend in der Volkshochschule wissen. "Die NPD wird von Sponsoren und Mitgliedern unterstützt und bekommt außerdem Geld für die Stimmen, die für diese Partei bei den Wahlen abgegeben werden", antwortet Sönke Rix (SPD) bei der Veranstaltung "Deutschland ohne Nazis - ist das zu schaffen?".
Rix (37) kennt sich aus mit Nazis. Deshalb ist er nach Stralsund gekommen, um im Rahmen der Woche gegen Rechts über den Umgang mit Rassisten zu diskutieren. Neben seinem Sitz im Bundestag ist der Sozialdemokrat Sprecher der Arbeitsgruppe "Strategien gegen Rechtsextremismus". Aktuell ist Rix Mitglied im Untersuchungsausschuss zu dem Umtrieben der rechten Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Er will die Fehler aufdecken, die dazu führten, dass Nazis ungehindert zehn Menschen ermorden konnten.
"Wenn Nazis demonstrieren, muss die Gesellschaft zeigen ,Nein, wir sind nicht eurer Meinung'" sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen (48) in der Friedrich-Engels-Straße 28. Ob Demonstration, Kinderfest oder Informationsstand - Nazis entgegen zu wirken erfordere Mut und Kreativität. Von Bürgern aber auch von Polizei und Behörden, die entscheiden, ob eine Veranstaltung stattfinden kann.
"Schon vor 40 Jahren hörte ich das Argument, man solle das Nazi-Problem am besten totschweigen - wie man heute sieht, hat es nicht gewirkt," sagt Geschichtsprofessor Thomas Stamm-Kuhlmann aus Greifswald.
"Links- und Rechtsextremismus sind nicht gleich zu setzen", sagt Rix. Rechtsextremismus verurteile Menschen, weil sie zu gesellschaftlichen Gruppen, wie Fremde oder Schwule, gehören. "Dagegen können die Betroffenen nichts tun." Er erwarte zukünftig, dass die Bundesregierung aus ihren Fehlern bezüglich der NSU-Morde lerne. "Die Behörden haben nicht stark genug in der rechten Szene ermittelt und die Kompetenzen waren nicht geklärt." Außerdem wurde die Bedeutung von Bildung und Zukunftsperspektiven betont.
"Viele Bürger sind nicht über wichtige Aktionen gegen Nazis, wie 'Storch Heinar' oder ,Endstation Rechts', informiert", sagt Luisa Heide (19). Die etwa 60 Teilnehmer waren sich einig, dass es eine dauerhafte Aufgabe sein muss, sich gegen Rechts zu engagieren. Egal, ob das Thema gerade in den Medien diskutiert wird oder nicht.
Elena Vogt
Ostseezeitung-Stralsund
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