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"Ich habe geweint, als ich nach Deutschland kam"

Aktionswoche gegen Rechts in Stralsund startete in der Volkshochschule mit Foto-Ausstellung und Podiumsdiskussion.

08.08.2012

Stralsund. In einem Zimmer von etwa 20 Quadratmetern stehen vier Metallbetten, am Ende eines langen, dunklen Flures ist ein helles Fenster zu erkennen, Jungen spielen auf zu großen Fahrrädern, drei junge Mädchen stehen unter einem blühenden Baum und winken fröhlich in die Kamera.

"Wir haben jungen Menschen Einwegkameras in die Hand gegeben", sagt Katriona Dannenberg (32) von der Antirassistischen Initiative Greifswald. In der Ausstellung "Geschlossene Gesellschaft", in der Friedrich-Engels-Straße 28, zeigen Asylsuchende so ihr neues Zuhause. Wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität oder Zugehörigkeit zu einer sozialen oder politischen Gruppe wurden sie in ihrer Heimat verfolgt und mussten flüchten. Heute leben sie in Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber in Mecklenburg-Vorpommern.

30 junge Menschen zwischen 8 und 27 Jahren machten Fotos zu den Fragen "Wo wohnst du?", "Wie sieht dein Heim aus?", "Was isst du?", "Wo verbringst du die Freizeit?", "Was arbeitest du?". Sie leben in Heimen in Jürgenstorf, Stralsund, Rostock, Neubrandenburg und Boizenburg. Für alle ist ungewiss, ob sie bleiben dürfen.

"Als ich vor 20 Jahren nach Deutschland kam, habe ich jeden Tag geweint", sagt Shabnam Shariatpanahi (32). Sie musste mit ihrer Familie aus dem Iran flüchten, weil ihr Vater eine politische Meinung vertrat, für die er verhaftet oder umgebracht worden wäre. "Niemand verlässt sein Heimatland, Freunde und die Familie, wenn es nicht unbedingt nötig ist." Inzwischen spricht Shariatpanahi fließend Deutsch, hat erfolgreich Pädagogik studiert und besitzt einen deutschen Pass. "Bis dahin war es ein langer Weg." Die Fotos der Ausstellung erinnern sie an ihre ersten Jahre in Deutschland.

"2011 waren weltweit 40 bis 60 Millionen Menschen auf der Flucht aus ihrem Heimatland", sagt Ralf Göttlicher vom Flüchtlingsrat MV auf der anschließenden Diskussionsveranstaltung. 950 leben in Mecklenburg-Vorpommern und stellten einen Antrag auf Asyl.

"Ich würde gerne hier bleiben und arbeiten, aber bisher ist alles unsicher. Ich mache mir Sorgen um meine Zukunft", sagt Abdulraziq Hamidy (21), der 2009 aus Afghanistan nach Deutschland kam.

"Asylbewerber lebten bisher von nur 224,95 Euro im Monat", sagt die Leiterin der Volkshochschule, Sabine Koppe. "Für einen geringen Unkostenbeitrag bieten wir ihnen Deutschkurse an. Das ist sehr wichtig, denn Deutsch zu lernen bedeutet, die neue Heimat verstehen zu können. Die Ausstellung ist bis zum 31. August von Montag bis Freitag, 8 bis 16 Uhr, geöffnet.

Ostseezeitung-Stralsund

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