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Eklat um Rostocker Ruderin Nadja Drygalla

Die Bundessportverbände geben sich ahnungslos - doch sie hätten von den Verstrickungen der Rostocker Olympionikin Drygalla in die rechte Szene wissen müssen.

04.08.2012

Rostock/London (urei) Dem Landessportbund (LSB), dem Olympiastützpunkt Rostock und dem Innenministerium in Schwerin sind die offenbar engen Verbindungen der Rostocker Olympionikin Nadja Drygalla zur rechtsextremen Szene seit Langem bekannt. Für den Landessportbund bestätigte das Geschäftsführer Torsten Haverland am Freitag. "Wir wussten davon, es ist ihr gesagt worden, dass sie sich distanzieren soll. Aber wir können sie natürlich nicht in Sippenhaft nehmen, auch wenn wir das alles nicht toll finden." An den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) habe man die Erkenntnisse nicht weitergeleitet.

Quellen aus dem Olympiastützpunkt Rostock, wo die Ruderin trainiert, berichten ihrerseits, dass man sogar mit Rechtsanwälten zusammengesessen habe, um das Problem zu lösen. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) räumte ein, dass dem Ressort 2011 Kontakte Drygallas zur rechten Szene bekannt geworden seien - worauf die Polizistin den Dienst quittiert habe. Noch deutlicher: Bekannt geworden sei dem Ressort, "dass auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind."

Der Deutsche Ruderverband und der DSOB gaben sich ahnungslos

Trotz dieser eindeutigen Erkenntnisse gaben sich der Deutsche Ruderverband (DRV) und der DSOB bis Donnerstagabend ahnungslos. Übereinstimmend ließen beide Verbände verlauten, dass ihnen Drygallas Partnerschaft mit dem Rostocker Rechtsextremen und Ex-NPD-Landtagskandidaten, Michael Fischer, bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt gewesen sei. Nach einem Gespräch in der Nacht sei die Olympionikin dann "auf eigenen Wunsch hin" abgereist.

DRV-Sportdirektor Mario Woldt in Erklärungsnot: "Die Frage ist sicherlich berechtigt, warum wir nichts wussten. Wir haben uns nicht mit Mecklenburg-Vorpommern kurzgeschlossen." Woldt wies zurück, dass man nur aktiv geworden sei, weil die Medien den Fall aufgegriffen hatten.

"Nicht verantwortlich": Caffier wies die Verantwortung zurück

Drygallas Partner Michael Fischer publiziert regelmäßig auf einer dem Landesverband der rechtsextremen NPD nahestehenden Internetseite und ist dort als "Redakteur" aufgelistet. So heißt es unter seinem Namen: "Wer heute mit der Straßenbahn durch das (Rostocker - Anm. d. Red.) Viertel fährt, kommt bereits an kleinen Kopftuchmädchen nicht mehr vorbei."

Caffier wies am Freitag die Verantwortung für die Aufnahme Drygallas in den Olympiakader zurück. Das Innenministerium "zeichnet für die Entsendung der olympischen Teilnehmer nicht verantwortlich, sondern die jeweiligen Sportverbände".

Kritik kam von der Opposition: "Dem Minister sollte daran gelegen sein, zu erläutern, warum die Spitzensportlerin trotz des Wissens an den Spielen teilnehmen konnte", sagte der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Peter Ritter.

Und Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr kritisiert: "Es hätte schon frühzeitig und in jedem Fall vor der Olympiateilnahme die Frage geklärt werden müssen, ob Frau Drygalla sich zu den demokratischen Grundsätzen bekennt und sich von der antidemokratischen und gewaltbereiten Haltung ihres Lebenspartners distanziert."

Nordkurier

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