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"Im Moment ist sie am Boden zerstört"

Nach ihrer Abreise von Olympia sei die Ruderin Nadja Drygalla "am Boden zerstört", sagt Hans Sennewald, Vorsitzender des Landesruderverbandes Mecklenburg-Vorpommern, im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Ihre Beziehung zu einem Mann mit Nähe zur rechtsextremistischen Szene sei zumindest nicht offiziell mit dem Deutschen Ruderverband thematisiert worden, berichtet der stellvertretende Vorsitzende im Olympischen Ruderclub Rostock, dem Verein Drygallas.

04.08.2012

Rostock/Berlin (dpa) Wie bewerten Sie die Vorfälle um Nadja Drygalla?

Ich bin bestürzt darüber, wie mit einer Sportlerin umgegangen wird. Es gibt einige Dinge, die man mit Nadja besprechen kann und sie können mir abnehmen, dass der Vorstand meines Vereins und auch des Landesruderverbands sich sehr aktiv im Vorfeld mit Nadja auseinandergesetzt hat, was ihren Umgang angeht. Ich finde die Art und Weise, wie sie in Sippenhaft genommen wird für die Überzeugungen ihres Freundes, so nicht korrekt.

Seit wann wissen Sie von der Beziehung und wie ist der Landesruderverband damit umgegangen?

Dass Nadja mit Michael Fischer befreundet ist, das weiß ich, das wissen wir seit vielen Jahren. Es ist eine langjährige Beziehung, die auch seit vielen Jahren bei ihren Vereinskameraden und den Vorständen bekannt ist. Nicht zuletzt liegt es daran, dass meine Tochter mit Nadja im Kleinboot im Zweier ohne unterwegs ist und die beiden befreundet sind. Das Thema ist bekannt.

Inwiefern hatte diese Beziehung einen Einfluss auf das Sportliche?

Es ist keineswegs so, dass wir es nicht wissen wollten, weil Nadja als erfolgreiche Sportlerin auch im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Es ist im Verein und unter ihren Freunden seit vielen Jahren so, dass Nadja zwar gern gesehenes Mitglied der Runde ist, aber Michael Fischer zu sämtlichen privaten Veranstaltungen und auch hier im Verein nicht erscheint. Wir halten das Thema definitiv nicht klein. Wir diskutieren in erster Linie aber nicht über die politischen Ambitionen des Umfeldes.

Distanziert sie sich von den politischen Ansichten Ihres Freundes?

Sie distanziert sich offen. Sie hat immer wieder betont, dass sie die politischen Überzeugungen von Michael Fischer nicht teilt. Und das ist für uns auch derart überzeugend vorgetragen worden, dass wir es zu akzeptieren haben. Mir liegen auch keine Hinweise darauf vor, dass es bei zuständigen Instanzen unseres Staates andere Informationen zu dem Thema gibt.

Ist die Beziehung thematisiert worden mit dem Deutschen Ruderverband?

Das ist offiziell nicht kommuniziert worden. Es hat aber Gespräche am Rande gegeben. Wenn der Deutsche Ruderverband jetzt von dem Thema überrascht worden ist, kann ich das nicht kommentieren.

Sie haben Zweifel daran?

Ich kann das nicht kommentieren.

Wie wird es jetzt für Nadja Drygalla weitergehen, wird es Konsequenzen für ihre Laufbahn geben?

Ich fürchte, dass es so ist. Ich hoffe, dass es nicht so ist. Bei dem, was hier in der Öffentlichkeit mit Nadja veranstaltet wird, muss man befürchten, das es nicht ohne Folgen bleibt. Es wäre hilfreich, wenn sich die Presse vor Augen hält, was sie mit einem jungen Menschen veranstaltet.

Hatten Sie schon Kontakt zu ihr?

Ich habe heute Morgen mit ihr gesprochen. Mit einem plakativen Bild gesprochen: Im Moment ist sie am Boden zerstört. Wir haben es hier nicht mit einem Medienprofi zu tun oder mit jemandem, der sich permanent und mit letzter Konsequenz vor Augen führt, in welcher Extremsituation persönliche Beziehungen münden können. Dass sie jetzt extrem leidet, finde ich ganz natürlich.

Welchen Rat haben Sie ihr gegeben?

Ich habe ihr geraten, sich momentan den Medien gegenüber zurückzuhalten, da in ihrer aktuellen Verfassung ein medialer Auftritt nicht sinnvoll erscheint. Im Übrigen kann sie mich jederzeit um konkrete Hilfe bitten.

Nordkurier

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