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"Gesichter des KZ Wöbbelin" als ewige Mahnung

02.08.2012

An einem Kunstprojekt soll im Rahmen des Deutsch-Italienischen Workcamps in diesem Monat mit Jugendlichen aus dem Ausland und Jugendlichen und Erwachsenen aus Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet werden. Die Plastik "Gesichter des KZ Wöbbelin" ist ein Kunstprojekt von Marcus Barwitzki in Kooperation mit dem Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust e.V. und den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.

Dicht an dicht drängen sich zahllose, ausgehungerte Menschen im Lager... Die Plastik "Gesichter des KZ Wöbbelin" , nach dem Entwurf des Magdeburger Künstlers Marcus Barwitzki zeigt dieses bewegende Szenario. 45 gebogene rostige Eisenstangen, von denen jede einen überdimensionalen Kopf aus Backstein trägt, bilden ein undurchdringliches Geflecht - eine unzählbare Masse, wie die der eingesperrten Menschen im Konzentrationslager Wöbbelin. Die Materialien, ihre Anordnung und Verarbeitung, alles wird in Barwitzkis Werk zum Sinnbild. Einerseits symbolisieren die individuell gebogenen Eisenstangen, die sich vor Hunger und Entkräftung schmerzhaft windenden Körper der Häftlinge. Der Rost des Eisens wird hier zur Wunde des Körpers. Zum anderen zeigt das gitterartige, dichte Geflecht der Stangen das Konzentrationslager selbst, aus dem niemand fliehen kann.

Die auf den Eisenstangen verankerten 45 Backsteine bilden die Köpfe der Häftlinge. Das gleiche Format der Ziegel ist für den Künstler dabei Ausdruck für die nationalsozialistische Entmenschlichung durch Uniformierung und Nummerierung im Konzentrationslager. Nur an der schmalen Längsseite der Ziegel, dem Betrachter zugewandt, werden die individuellen Gesichter der Menschen abstrakt oder realistisch erkennbar. Als ein möglicher Standort für die ca. 3 m hohe und im Durchmesser 2 m breite Großplastik ist die Freifläche zwischen der Bundesstraße 106 und den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin vorgesehen. Von der Bundesstraße aus gut sichtbar, soll die Großplastik "Gesichter des Konzentrationslagers Wöbbelin" hier die Besucher in die Mahn- und Gedenkstätten leiten und als repräsentativer Blickpunkt das Zentrum des Dorfes Wöbbelin bereichern.

Als zweiter Standort steht zur Diskussion das Parkgelände am Museum vor dem Bestattungsplatz für mehr als 160 Opfer des KZ Wöbbelin, denn hier ist der Bezug zu den Menschen gegeben, die dieses Lager nicht überlebt haben.

Während des Nationalsozialismus wurden im Konzentrationslager Wöbbelin Menschen aus mehr als 17 Nationen ermordet. Als Zeichen der Erinnerung werden junge Erwachsene im Jahre 2012 aus Deutschland und weiteren Nationen, unter Anleitung des Künstlers Marcus Barwitzki, Bildnisse der Häftlinge aus den noch ungebrannten Rohziegeln modellieren und ihnen damit ihr Gesicht zurück geben.

Jeder Teilnehmer der Workshops gestaltet dabei seinen eigenen "Backsteinkopf". Ob realistisch oder abstrakt, ob grob oder fein, jedes der entstehenden Gesichter erhält seine eigene Individualität durch die persönliche Handschrift des Teilnehmers. Der vom Künstler vorgegebene Rahmen ist lediglich die Einheitlichkeit des Formates. Anschließend wählt eine Jury die 45 besten Arbeiten aus, die nach dem Trocknen und Brennen in die Plastik "Gesichter des KZ Wöbbelin" eingefügt werden.

In den nächsten Tagen finden in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin im Rahmen des Internationalen Workcamps der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin mit Jugendlichen aus Italien, Deutschland und anderen Ländern sowie Schülerinnen und Schülern und interessierten Erwachsenen aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim und Mecklenburg - Vorpommern zwei Workshops statt, die über zwei Tage gehen. Wer Interesse hat, sollte sich bitte noch bis zum heutigen 2. August für den Kunstworkshop in den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin anmelden. Workshop 1: Am 6. und 7. August, Workshop 2: 8. und 9. August. Den Kontakt kann man über die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten, Ramona Ramsenthaler herstellen, Ludwigsluster Straße 2b, 19288 Wöbbelin, Tel./Fax.: 038753 80792, Email: info@gedenkstaetten-woebbelin.de und www.gedenkstaetten-woebbelin.de.

Schweriner Volkszeitung-Ludwigslust

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