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Doku-Drama beleuchtet Krawallnächte

Am 13. August strahlt der NDR den Dokumentarfilm "Als Rostock-Lichtenhagen brannte" aus. Zu sehen ist eine historische Aufarbeitung der Ereignisse von 1992.

01.08.2012

Kamera läuft: Regisseur Florian Huber (v.l.) konnte für seine Dokumentation "Als Rostock-Lichtenhagen brannte" die Zeitzeugen Mafalda Hohlfeld, den ehemaligen Einsatzleiter der Polizei Jürgen Deckert und Wolfgang Zöllick für Interviews gewinnen.

Stadtmitte "Hässlich, peinlich, erschreckend - das Thema Rostock-Lichtenhagen ist wie das Skelett im Kleiderschrank. Am besten für immer zunageln." TV-Regisseur Florian Huber war Student, mit dem Motorrad unterwegs im Italienurlaub, als die Fernsehbilder vom "Sonnenblumenhaus" 1992 um die Welt gingen. Das ist mittlerweile 20 Jahre her. "Zeit diesen Giftschrank der Erinnerung zu öffnen", sagt Huber. Herausgekommen ist eine Reportage, die "der Autor Florian Huber wie mit dem Seziermesser zerlegt", sagt die Direktorin des NDR Landesfunkhauses, Elke Haferburg.

Am 13. August um 21 Uhr sendet der Norddeutsche Rundfunk den Dokumentarfilm "Unsere Geschichte: Als Rostock-Lichtenhagen brannte". Material für die Dokumentation sei ausreichend vorhanden gewesen.

Ungezählte Archive habe er während der monatelangen Recherchen geplündert, erinnert sich der Filmemacher. Als mühsam erwies sich indes die Suche nach Zeitzeugen.

"Selbst 20 Jahre nach den fremdenfeindlichen Anschlägen war es schwierig, damals beteiligte Politiker und ehemalige Anwohner für Interviews zu gewinnen", erzählt Huber. "Manche haben kurzfristig abgesagt, andere waren gar nicht erst zu sprechen. Die Wunde brennt immer noch." Zu denen, ohne die der Film nicht realisiert hätte können, zählt Guido Nowak. Dem ehemaligen Streifenpolizisten stecken die nunmehr zwei Jahrzehnte zurückliegenden Ereignisse noch immer in den Knochen.

"Für mich war es unfassbar, dass Jugendliche, die uns angegriffen haben, zwischen den Zuschauern verschwinden konnten. Dass die Anwohner ihnen Platz gemacht haben." Ein Rückblick ins Jahr 1992: Das sozial intakte Gefüge im Neubauviertel Lichtenhagen zerbröckelt. Der Grund ist rasch ausgemacht: Mitten im Wohnquartier entsteht die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst). "Bis dahin war das Neubauviertel nie ein Brennpunkt", weiß Huber. Im August 1992 sollte sich das Bild von der heilen Welt drastisch wandeln.

Immer mehr Flüchtlinge belagerten Wege, Wiesen und Hauseingänge. Deutscher Ordnungssinn traf auf osteuropäisches Chaos. Während Arbeitsplätze und Perspektiven in Rostock wegbrachen, kampierten vor den Wohnblocks hunderte Ausländer. Mafalda Hohlfeld, die in einer Wohnung im einst begehrten "Sonnenblumenhaus" lebte, erkannte ihre liebgewonnene Heimat nicht wieder. Zwei Kulturen seien aufeinandergeprallt, Wut und Unverständnis auf beiden Seiten, berichtet Hohlfeld. "Tagelang rannte eine entfesselte Menge gegen die Aufnahmestelle. Ein Fiasko für Politik und Polizei", klagt Regisseur Huber heute an.

Als einziger Politiker stellte sich damals Wolfgang Zöllick (CDU) bei den Ausschreitungen den aufgebrachten Menschen. "Da ist vieles zusammengekommen. Auch die Unfähigkeit, mit solchen Problemen umzugehen. Da schließ ich mich nicht aus", bedauert der ehemalige stellvertretende Oberbürgermeister, der selbst als Protagonist im Doku-Drama zu sehen sein wird.

Filme: Die Dokumentation "Als Rostock-Lichtenhagen brannte" läuft am 13. August um 21 Uhr im NDR. Zudem werden 10 000 Rostocker Haushalte die DVD "The truth lies in Rostock" im Briefkasten finden, der sich gleichfalls mit den Ausschreitungen beschäftigt. Zusätzlich zur Verteilaktion wird im Peter-Weiss-Haus am 3. August der Film "Wer Gewalt sät - von Biedermännern und Brandstiftern" gezeigt.

Ostseezeitung-Rostock

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