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Ex-NPD-Kader steigt aus: Pastörs-Rede gibt Anstoß

Andreas Molau wendet sich an den Verfassungsschutz, gibt alle Parteibücher zurück und bricht Kontakte ab. Rechtsextremismus-Experte Günther Hoffmann konstatiert nur sehr wenige Aussteiger im Nordosten.

31.07.2012

Schwerin (urei) Er war einer der führenden Köpfe der rechtsextremen Szene in Deutschland, unter anderem Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion in Schwerin: Andreas Molau hat nun seine Abkehr öffentlich gemacht. Zugleich wandte er sich an den niedersächsischen Verfassungsschutz - ein Schritt, der ihm eine Rückkehr in die Szene wohl für immer verbaut.

Der Auslöser für das Aussteigen: die berüchtigte Aschermittwochsrede des NPD-Fraktionschefs im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, im Saarland. Dort hatte Pastörs Deutschland als "Judenrepublik" bezeichnet und türkische Männer als "Samenkanonen" beschimpft. Der Fraktionschef habe mit der Rede aus seiner Sicht zur Gewalt aufgerufen, sagte jetzt Molau dem NDR. Die Rede habe deutlich gemacht, wie sehr maßgebende Repräsentanten der Partei dem historischen Nationalsozialismus verhaftet seien. Molau war Kader in der NPD, der DVU und zuletzt auch in der rechtsextremen Partei "Pro NRW". Zudem arbeitete er an publizistischen Erzeugnissen der Szene mit. Der Niedersachse galt als "Intellektueller" im braunen Sumpf, hatte aber nach und nach Rückhalt und Posten verloren.

"Kein Verlust für die Szene"

"Das war absehbar und es ist auch kein Verlust für die Szene mehr", sagte Montag gegenüber unserer Redaktion der Beobachter der Szene, Günther Hoffmann aus Vorpommern. Dass Pastörs Rede im Saarland das ausschließliche Ereignis gewesen sein soll, das zu Molaus Kehrtwende führte, bezweifelt Hoffmann: "Das war sicherlich das Schlüsselerlebnis im Sinne des berühmten Tropfens, der das Fass dann zum Überlaufen brachte."

"In MV gibt es nur ganz wenige Leute aus der Kaderebene, die aussteigen, weil die Szene hier schon sehr weit gefestigt ist", schätzte er ein. Ein spezielles Aussteiger-Programm für diese Gruppierung existiere im Nordosten nicht. "Das ist auch nicht unbedingt notwendig,, weil es mit ,EXIT-Deutschland' schon ein bundesweites Programm gibt. Da ist hohe Professionalität gefragt, und warum sollen wir in MV noch ein Programm auflegen, bei dem dann die Leute dasitzen und sich in der Nase bohren", so Hoffmann. Allerdings existierten mehrere Programme unter anderem für schwer integrierbare Jugendliche, die auch mit der braunen Szene in Kontakt gekommen sind, so etwa "JUMP" (Sprung - Anm. der Red.) in Waren an der Müritz.

Nordkurier

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