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Rund 1500 Schwule und Lesben feierten buntes Fest

Das Motto des Christopher Street Days in Rostock hieß: "Wo kein Wissen ist, wachsen Vorurteile". Es gab Diskussionsrunden, einen schrillen Umzug und Live-Musik.

23.07.2012

Stadtmitte Mehr als 1500 Teilnehmer haben am Sonnabend den Christopher Street Day (CSD) in Rostock begangen und für die Rechte von Homosexuellen und Transgendern demonstriert. Letztere sind Menschen, die sich nicht mit ihrem bei der Geburt gegebenen Geschlecht identifizieren.

Das Motto des zehnten CSD lautete: "Wo kein Wissen ist, wachsen Vorurteile". Die Organisatoren wollen aufklären. "Wir wollen zeigen, dass wir gar nicht so anders sind", sagt Moderatorin Rosa la ola Grande. Bereits am Nachmittag diskutierten CSD-Teilnehmer auf der Bühne auf dem Neuen Markt mit Politikern verschiedener politischer Parteien, unter anderem über die Situation der Lesben und Schwulen in anderen Ländern. So wurde mehrfach Russland angeprangert, das es in einigen Regionen unter Strafe gestellt hat, Homosexualität in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Die Redner forderten die Politik auf, härter mit Russland ins Gericht zu gehen. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) sagte, es sei nicht hinnehmbar, dass Homosexualität immer noch in sieben Ländern der Erde mit der Todesstrafe belegt sei. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass sie auch in Deutschland erst seit 1992 vollkommen straffrei sei. "Der CSD ist ein kulturpolitischer und stadtgesellschaftlicher Höhepunkt in der Hansestadt Rostock", betonte Methling.

Insgesamt 13 Teilnehmergruppen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern gestalteten den Demonstrationszug, der vom Neuen Markt durch die Kröpeliner Straße, über die Breite und Lange Straße in die Kuhstraße und über den Universitätsplatz zurück führte "Wir sind überall vertreten", sagt Rosa la ola Grande, "vom Astronom bis zum Lehrer."

Zu den Hauptforderungen der Demonstranten gehört die rechtliche Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaften, der sogenannten Homo-Ehe. Diese bringe derzeit mehr Pflichten als Rechte. Sie sei eine Mogelpackung der Politik, sagt Pascal Kaun vom Vorstand des Vereins CSD Rostock. "Im Steuer- und Beamtenrecht sind wir der klassischen Ehe nicht gleichgestellt."

Zum vierten Mal dabei ist die Rostockerin Antje Lepa. "Es ist schön, dass man in Deutschland offen für unsere Interessen demonstrieren kann", sagt sie. Franziska Siolek findet es wichtig, Präsenz zu zeigen. "Wir müssten das eigentlich viel öfter als nur einmal im Jahr tun, denn für viele Menschen bleibt dies sonst der einzige Kontakt mit dem Thema." Der Tag ging am Abend mit Live-Musik auf dem Neuen Markt und einer Abschlussfeier im Ratskeller zu Ende.

Es ist wichtig, gegen Homophobie und für die Gleichheit zu demonstrieren. Guck mich an, ich bin total schwul, und es ist schön, dass ich so sein kann."Danny Wernitz (21, Schwerin)

Meinen ersten Freund, den ersten CSD und mein Coming out vor den Eltern hatte ich in Rostock. Hier ist alles so schön familiär und nicht so riesig wie in Berlin." Henning Druckrey (22, Köln)

Geschichte des CSD

In vielen deutschen Städten wird der Christopher Street Day in den Sommermonaten begangen und häufig in Form von Straßenumzügen und mit Konzerten gefeiert. Der Name CSD ist seit 1979 geläufig.

Ursprünglich erinnert die Demonstration an den ersten bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village. Am 28. Juni 1969 gab es in der Bar Stonewall Inn den sogenannten Stonewall-Aufstand.

Heute können wir mal so rumlaufen, wie wir wollen. Beim CSD sind immer die allernettesten Leute, und wir sind gemeinsam laut gegen Homophobie."Tina Hosch (18, Toitenwinkel)

Ove Arscholl

Ostseezeitung-Rostock

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