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Bei der muslimischen Gemeinde wächst die Angst

In Greifswald-Schönwalde gibt es vermehrt Übergriffe gegen Ausländer. Die muslimische Gemeinde fühlt sich in ihrer Situation von Polizei und Politik im Stich gelassen.

16.07.2012

Greifswald.Das Islamische Kulturzentrum und das nahegelegene Studentenwohnheim in der Makarenko-

straße sind in der Nacht zu Freitag mit etlichen rohen Eiern beworfen worden. Was zunächst nur nach einem dummen Streich klingt, ist bereits der dritte Vorfall dieser Art binnen weniger Wochen. Unbekannte Täter zerstörten vor einigen Monaten eine Fensterscheibe des Kulturzentrums, ein anderes Mal warfen sie Schweinefleisch in den Briefkasten. Im nahen Studentenwohnheim, in dem vor allem auslän-

dische Studenten wohnen, kam es ebenfalls schon häufiger zu Übergriffen, zuletzt vor zwei Wochen.

Der Stadtteil Schönwalde II gilt als sozialer Brennpunkt Greifswalds, Studenten bezeichnen das Viertel mitunter sogar als "Ghetto". Mitten in dem Stadtteil liegt das islamische Kulturzentrum. Es ist Treffpunkt für etwa 150 Personen, die Hälfte davon sind Studenten. Sie treffen sich nicht nur zum Beten, betont Esam Al-Ansah, stellvertretender Vorsitzender des Kulturvereins: "Es gibt auch Arabischkurse, Kindergruppen und Frauentreffs." Durch die Angriffe der vergangenen Wochen fühlen sich die Gemeindemitglieder zunehmend verunsichert: "Manche trauen sich abends nicht mehr auf die Straße", sagt Al-Ansah. In den letzten Jahren kam es immer wieder einmal zu kleineren Vorfällen, erzählt er.

Doch die Häufigkeit habe in den letzten Monaten erschreckend zugenommen: "Wir werden auch immer öfter auf offener Straße beschimpft." Dennoch bleibt die Polizei zurückhaltend. Die Angriffe auf die Gebäude müssten nicht unbedingt einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben, hieß es noch vor 14 Tagen. Für die muslimische Gemeinde steht das indes außer Frage.

Al-Ansah und die übrigen Gemeindemitglieder ärgern sich am meisten, dass die Kommunalpolitik bisher nicht auf die Problematik reagiert hat: "Man nimmt uns einfach nicht wahr", beklagt er sich. Kontaktaufnahmen blieben ohne Erwiderung. Nach der Eierattacke am Freitag musste der Verein zwei Mal bei der Polizei anrufen, ehe sich die Beamten überzeugen ließen, überhaupt eine Anzeige aufzunehmen. Das SPD-Kreistagsmitglied

Ibrahim Al Najjar bestätigt die Aussagen Al-Ansahs: "Ich war zuletzt am Freitag zu Gast in der Gemeinde. Die Leute haben Angst", schilderte er gestern.

Er sieht das gute Zusammenleben von Ausländern und übriger Bevölkerung in Gefahr. Dabei habe das bisher eigentlich immer gut funktioniert, sagt Esam Al-Ansah: "Wir wollen uns integrieren und tun das auch." Besonders mit der evangelischen Kirche gebe es seit vielen Jahren ein gutes Miteinander. Auch an Stadtteilfesten beteiligt sich das Kulturzentrum.

Tatsächlich kann man das Gefühl gewinnen, Stadt und Polizei wollten das Thema am liebsten nicht öffentlich behandelt wissen. Wegen der Übergriffe aufs Studentenwohnheim trafen sich Stadt, Polizei und Universität bereits im Frühjahr zu einem Runden Tisch. Bei dem Treffen hinter verschlossenen Türen wurden kleinere Maßnahmen beschlossen. Unter anderem gibt es seitdem einen Wachschutz für das Wohnheim, neue Lampen wurden aufgestellt. "Inzwischen bin ich mir aber nicht mehr

sicher, ob das ausreicht", sagt Erik von Malottki, Verwaltungsratsvorsitzender des Studentenwerks. Er will die Vorfälle im Studentenwerk noch einmal zum Thema machen. Ibrahim Al Najjar will sich dafür einsetzen, dass das Thema auf die Tagesordnung in der Lokalpolitik kommt.

Nordkurier-Greifswald

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