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CDU-Abkratz-Party fällt ins Wasser
Die Politiker in der Kreisstadt beschäftigen sich lieber nicht mit den großen Themen. Die CDU und die linksalternative Szene liefern sich stattdessen einen Streit über Aufkleber.
10.07.2012
Von unserem Mitarbeiter
Gabriel Kords
Greifswald.Eigentlich könnte man meinen, die Kommunalpolitik der mondänen Kreis-, Universitäts- und Hansestadt Greifswald werde von großen Sachthemen dominiert, etwa von den Auswirkungen der Kreisreform oder vom städtischen Haushaltsplan. Weit gefehlt: Tatsächlich sind es eher die kleinen Fragen, die Greifswalds Lokalpolitiker auf Trab halten. So wird seit Monaten darüber diskutiert, ob man über 100000 Euro dafür ausgeben solle, dass Radfahrer eine Minute schneller über die zentrale Europakreuzung fahren dürfen.
Seit vergangener Woche gibt es aber ein ganz neues Thema: Aufkleber, die das Stadtbild verschandeln. Denen hat der CDU-Stadtverband jetzt den Kampf angesagt. Die Sticker finden sich in der Tat überall in der Innenstadt, an Laternen, Stromkästen und sogar auf Schaufenstern. Neben Aufklebern vom Fußballklub Hansa Rostock fallen vor allem rechtsextreme und linksalternative Motive ins Auge. Die CDU-Mitglieder, darunter auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion, wollten nun gemeinsam Hand anlegen, um das klebende Ungemach zu beseitigen. Fraktionschef Axel Hochschild sagte: "Wir wollen eine schöne Stadt, in der sich Einheimische und Gäste wohl fühlen. Für dieses wichtige Anliegen opfern wir auch mal einen Samstagvormittag."
Womit die Saubermänner nicht gerechnet hatten, als sie die Aktion eine Woche vorher ankündigten: Die linksalternative Szene fühlte sich provoziert und nahm's zum Anlass, in der Nacht vor der Aktion Hunderte Extra-Sticker in der Fußgängerzone anzubringen, manche davon einzig für diesen Anlass gedruckt. Auch kursierte ein Flugblatt, auf dem sich junge Leute über die Aktion lustig machten und sie als "Abkratz-Party" bezeichneten. "Das zeigt doch, wie wenig diese Leuten fürs Allgemeinwohl übrig haben", sagte CDU-Innenstadtverbandschef Sascha Ott. Fraktionschef Hochschild, stets ein Freund deutlicher Worte, setzte einen drauf: "Das ist nicht nur unverschämt, das ist kriminell! Ich erwarte, dass Polizei und Stadtverwaltung entsprechende Maßnahmen ergreifen!"
Welche Maßnahmen Hochschild gegen die Kriminellen vorschwanen, sagte er allerdings nicht und genau darum geht es auch im Streit mit den Linksalternativen: Die weisen darauf hin, dass das Kleben der Sticker keineswegs strafbar, sondern lediglich ordnungswidrig sei. Begriffe wie "kriminell" und "illegal" seien daher überzogen, Hochschild sei ein Populist, heißt es. Ironischer Höhepunkt des Ganzen: Die Reinigungsaktion musste wegen Dauerregens ausfallen. Zu gefährlich erschien den Putzteufeln der Einsatz ihrer Heißluftpistolen. "Die meisten Aufkleber bekommt man anders nicht ab", sagte Ott. Die Aktion soll nun im August stattfinden.
Nordkurier-Greifswald
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