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CDU: "Junge Welt" hat nichts in der Bibliothek zu suchen
Die Abbestellung der Zeitung sorgt für heftige Diskussionen. Die "Junge Welt" macht Stimmung im Internet.
05.07.2012
Greifswald Die Abbestellung der linken Tageszeitung "Junge Welt" durch die Stadtbibliothek sorgt für Emotionen (OZ berichtete). Mitglieder der Linken, darunter Fraktionschef Gerhard Bartels und Vize Marion Heinrich, kritisierten den Schritt. Von "Pressezensur der übelsten Sorte" spricht das langjährige Fraktionsmitglied Rudi Duschek, selbst Leser der Jungen Welt.
Aus der Sicht der CDU war die von Leiterin Angelika Spiecker vorgenommene Abbestellung dagegen überfällig. "Eine Zeitung, die den Mauerbau verherrlicht und damit die vielen Mauertoten verunglimpft, hat nichts in der Stadtbibliothek zu suchen", sagt Fraktionschef Axel Hochschild mit Blick auf die Berichterstattung der Zeitung zum 50. Jahrestag des Mauerbaus 2011. Die Junge Welt hat seiner Meinung nach jeden Anspruch auf Unterstützung durch demokratische Parteien verspielt.
In der Stadtbibliothek hätten Zeitungen, die extremistisches Gedankengut, egal ob rechts oder links, verbreiten, nichts zu suchen. Genau das habe der Verfassungsschutz der Jungen Welt aber bescheinigt. "Ansonsten habe ich volles Vertrauen in die Leitung der Stadtbibliothek, was die Ausgewogenheit des Angebotes betrifft", sagt Hochschild.
Volles Vertrauen in Stadtbibliotheks-Leiterin Angelika Spiecker haben auch die Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen, Ulrike Berger, und der SPD-Fraktionschef Andreas Kerath. Beide lehnen wie Thomas Meyer (Bürgerliste) und André Bleckmann eine Einflussnahme auf das Zeitungs-Angebot ab. "Wo soll das hinführen, wenn jeder Lokalpolitiker seine Lieblingszeitung in der Bibliothek sehen will", fragt Bleckmann. Und wenn Junge Welt, dann müsse man aus Gründen der Ausgewogenheit wohl auch das Sprachrohr der "Neuen Rechten " halten, die ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachtete "Junge Freiheit".
Die Junge Welt mischte sich gestern selbst in die Debatte ein. In ihrer Online-Ausgabe rief sie zur Abstimmung auf der OZ-Internetseite für sich auf und kritisierte die Stadtbibliothek scharf. Mit Erfolg, die Zahl der Teilnehmer wuchs rasch. Schon gestern Nachmittag hatten sich über 2100 Bürger an der Online-Umfrage der OZ beteiligt.
Das Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der Umfrage-Teilnehmer wollen, dass die linke Tageszeitung wieder in der Stadtbibliothek gelesen werden kann. Am 3. Juli waren es erst 57 Prozent bei knapp 900 Teilnehmern. Pro und contra hielten sich anfangs noch die Waage.
Ostseezeitung-Greifswald
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