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Auf den Fischadler fliegen auch Neonazis
Der Fischadler im Wappenentwurf des Landkreises lässt Missverständlichkeiten zu. Denn Neonazis benutzen ein ähnliches Symbol, das antichristlich und antisemitisch ist.
02.07.2012
von Ingmar Nehls
Neubrandenburg (ine) Im Land der tausend Seen ist es nur naheliegend, dass sich im Wappen der Fischadler wiederfindet. So zierte der stolze Greifvogel auch schon das Wappen des ehemaligen Müritzkreises. Darum hat die Warener Grafikerin Barbara Müller-Wolf ihn ebenfalls in die Entwürfe des Wappens für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte eingearbeitet. Dass der fliegende Adler, der einen Fisch in seinen Krallen trägt, vielleicht bald auf amtlichen Stempeln, Faltblättern oder Autokennzeichen zu sehen ist, sorgt jetzt aber für Wirbel und Diskussionen.
Denn das Motiv steht nicht nur für ein Naturschauspiel. Der Adler mit dem Fisch in der Kralle ist auch ein neopaganistisches Zeichen, das die Ablehnung gegenüber dem Christentum symbolisieren soll. Im Januar 2003 ließ sich die neonazistische Vereinigung "Die Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V." durch ihren damaligen Vorsitzenden Jürgen Rieger beim Deutschen Patent - und Markenamt das Symbol als Bildmarke unter der Nummer 30238105 bis zum 31. Juli 2012 sichern. Der 2009 verstorbene Rieger war Multifunktionär der rechtsextremen Szene, Holocaustleugner und Hauptorganisator des Rudolf-Heß-Gedenkmarsches. Auch das bei Neonazis beliebte Modelabel Thor Steinar verwendete das Symbol auf Kapuzenpullovern mit der Aufschrift "No Inquisition".
Das Zeichen wird in der Region noch nicht verwendet
In den rechtsextremen Organisationen in der Region werde das Zeichen nicht verwendet, informiert Manuela Becker vom Regionalzentrum für demokratische Kultur. "Wir sehen die Verwendung des Zeichens aber als problematisch an. Gerade im Bezug auf den Tourismus sollte gut überlegt werden, inwiefern dieses Zeichen im Wappen Zweifel an der Willkommenshaltung des Landkreises aufkommen lassen könnte und ob nicht auch ein weniger kritisches Symbol für das Wappen verwenden werden kann", sagt Manuela Becker.
Auch Regionalpastor Jörg Albrecht äußert Bedenken. "Das Wappen enthält eine starke Missverständlichkeit. Man muss sich Gedanken machen, ob man das einkalkuliert oder besser ausweicht", sagt Jörg Albrecht. In der gegenwärtigen Lage würde er dazu tendieren, den Entwurf so zu verändern, dass vielleicht kein Fisch in den Krallen ist. "Es wäre unangemessen, wenn man das Wappen bei der nächsten Nazidemo auf einer Fahne sehen würde", sagt Albrecht.
Nordkurier-Neubrandenburg
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