Buntes Gedenken: Mit Rad, Gesang, Kamera
Fotoausstellungen, Gesprächsrunden, Konzerte, Filmabende - "Lichtenhagen bewegt sich" präsentiert ein vielfältiges Programm.
22.06.2012
Lichtenhagen Das Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen wurde nach den ausländerfeindlichen Ausschreitungen im August 1992 weltweit bekannt. Doch Lichtenhagen hat sich in den vergangenen 20 Jahren verändert. "Lichtenhagen bewegt sich" heißt die Initiative, die Vereine, Organisationen, Parteien, Ortsbeirat, Stadtteiltisch mit Veranstaltungen beleben. "Es ist ein ganz vielfältiges Angebot" freut sich Torsten Sohn von der Bürgerinitiative "Bunt statt braun", die die Aktivitäten bündelt. Das Wochenende vom 24. bis 26. August bildet den Höhepunkt der Gedenkveranstaltungen. "Eine Fahrradsternfahrt führt am 26. August auf zwölf Routen aus ganz Rostock zum Sonnenblumenhaus", sagt Sohn. Hier wird der Ortsbeirat im Gedenken an die Ereignisse einen Baum pflanzen.
Auf der Bühne werden am Sonntagnachmittag Kinderlieder aus aller Welt erklingen, gesungen von Lichtenhäger Grundschülern, den Kinderchören der St.Johannis-Kirche und prominenter Stimme. "Liedermacher Gerhard Schöne hat sein Kommen zugesagt", verrät Kantor Markus Johannes Langer, der die Idee zu diesem Konzert hatte, auf das sich rund 300 Kinder schon eifrig vorbereiten. Bei einem "Interreligiösen Dialog" werden zuvor Vertreter der Jüdischen, Islamischen sowie der Christlichen Gemeinden in Rostock das vielfältige Miteinander in der Stadt aus ihrer Sicht darstellen. Die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt findet am 25. August in der Hochschule für Musik und Theater statt.
Tags zuvor geht es ab 18 Uhr auf der Haedge-Halbinsel rund, wenn die "17 Hippies" und viele regionale Bands aufspielen. "Dazwischen gibt es immer Videosequenzen, die an die Ereignisse in Lichtenhagen erinnern", kündigt Torsten Sohn an. Ein Highlight sei auch die Filmwoche vom 16. bis 21. August in der neuen Spielstätte des Liwu im Barnstorfer Weg. "Wir haben vier Filme ausgesucht, die auch mit Regisseuren und Hauptdarstellern besprochen werden können." Schon vor dem Kinostart im September werde der Film "Revision" gezeigt, der den Tod von zwei Männern unweit der deutsch-polnischen Grenze untersucht, die 1992 erschossen wurden - angeblich, weil Jäger sie für Wildschweine gehalten haben.
"Lichtenhagen bewegt sich", und das schon seit Wochen. Schüler haben Einwohner porträtiert und zeigen die "Gesichter Lichtenhagens" in einer Ausstellung, die noch bis Oktober im Kolping-Begegnungszentrum zu sehen ist. "Ein beeindruckende Arbeit", findet Teamchef Rainer Fabian, der bis zum Herbst noch weitere Fotoausstellungen in seinem Haus präsentieren wird. Zudem gäbe es interkulturelle Begegnungen, bei denen sich Rostocker aus fremden Kulturen vorstellen oder, wie gerade gestern, mit Schülern kochen.
Lebenswege Rostocker Vietnamesen stellt der Verein Diên Hông in einer sechsteiligen Veranstaltungsreihe vor. Der nächste Gesprächskreis findet am 26. Juni um 20 Uhr in der Waldemarstraße 33 statt.
Der Frauenkulturverein "Die Beginen" initiiert eine Sprech-Motette Lichtenhagen, in der Frauen unterschiedlicher Generationen und Herkunft in einem vielstimmigen Sprech-Gesang aus ihrem Leben erzählen sollen.
Ostseezeitung-Rostock
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