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Rostocks Lichtenhagen-Trauma: Joachim Gauck soll helfen

Der Bundespräsident nimmt am Gedenken zu den Ausschreitungen von 1992 teil. Die rassistischen Krawalle am "Sonnenblumenhaus" schüren noch immer Emotionen.

22.06.2012

Der Rostocker Bundespräsident und ein schwieriges Erbe der Hansestadt treffen aufeinander: Joachim Gauck wird Ende August bei den Gedenkveranstaltungen zum 20.

Jahrestag der ausländerfeindlichen Ausschreitungen von Lichtenhagen teilnehmen. Eine offizielle Bestätigung aus dem Büro des Staatsoberhaupts gibt es zwar noch nicht. Gauck hat seine Teilnahme aber fest zugesagt, heißt es in gut informierten Kreisen der Hansestadt. Ein Auftritt des prominenten Rostockers könnte der Gedenkveranstaltung zu bundesweiter Aufmerksamkeit verhelfen - was in Rostock allerdings nicht nur positive Erwartungen weckt.

"Das Thema ist nie richtig aufgearbeitet worden", sagt Rainer Fabian von der Initiative "Lichtenhagen bewegt sich". Deswegen lehnten viele Anwohner "jeden Rummel" wie Gedenkveranstaltungen ab. Unter dem Beifall hunderter Schaulustiger hatten rechte Gewalttäter am 24. August 1992 die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber im Sonnenblumenhaus gestürmt und Feuer gelegt, mehr als hundert Vietnamesen bangten um ihr Leben. Bilder von dem brennenden Haus und jubelnden Zuschauern gingen um die Welt. "Lichtenhagen" wurde in vielen Medienberichten zu einem festen Begriff für Ausländerfeindlichkeit in Ostdeutschland. Für viele Einwohner der traditionell weltoffenen Stadt wurde das zu einer Art Trauma.

"Das Thema spielt im Stadtteil keine Rolle", bedauert Uta Möhr, die gleich neben dem Sonnenblumenhaus wohnt. Von der Politik sei das Thema seit den 1990er-Jahren stets verdrängt worden - auch um von eigenen Fehlern bei den fatalen Vorfällen am Sonnenblumenhaus abzulenken, sagt Stadtteil-Manager Fabian. Viele Einwohner fühlten sich stigmatisiert. Dabei leben nur noch 30 Prozent der damaligen Bewohner in Lichtenhagen, hat Fabian recherchiert. Jüngere wüssten oft nichts von dem Thema, das in den Schulen nicht behandelt werde. "Wir müssen von dem Rechtfertigungsdruck loskommen", meint der Landtagsabgeordnete Ralf Mucha (SPD), der seit 1989 in Lichtenhagen lebt und eine mehrmonatige Veranstaltungsreihe mitangestoßen hat.

Die Gedenk-Veranstalter versprechen sich viel von Gaucks Auftritt. "Ich schätze ihn sehr. Er weiß, worüber er redet, wenn er von Rostock spricht", sagt Pastorin Möhr. "Er ist jemand, der klare Worte finden kann, ohne Schuld zuzuschieben", sagt Torsten Sohn von der Initiative "Bunt statt braun". Bereits am 9. August ist der Bundespräsident an der Warnow - er nimmt die Ehrenbürgerschaft entgegen und eröffnet die Hanse Sail.

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