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Viele Rennereien um Deutschkurse für Migranten
Deutschkurse für junge Asylbewerber sind begehrt aber kaum zu haben.Die Behörden schieben die Aufgabe von sich her.
20.06.2012
Von unserem Redaktionsmitglied
Ingmar Nehls
Neubrandenburg."Wir werden große Probleme bekommen", befürchtet Gabriele Gröger vom Jugendmigrationsdienst der Awo. Die Sozialpädagogin hat bei 70 Jugendlichen im Neubrandenburger Asylbewerberheim Fragebögen verteilt. Sie sind alle zwischen 18 und 25 Jahre alt, also nicht mehr im schulpflichtigen Alter. Und genau das ist das Problem. 37 haben darauf angegeben, dass sie keine oder nur sehr geringe Deutschkenntnisse haben. "Regelmäßig stehen Jugendliche bei mir auf der Matte und fragen nach einem Deutschkurs", sagt Gabriele Gröger. Das Gesetz schreibt vor, dass nur dann ein Anspruch auf einen bezahlten Deutschkurs besteht, wenn der Asylbewerber ein Bleiberecht zugesprochen bekommen hat. Dies kann sich durch die langsamen Räder der Behörden und Gerichte über Jahre hinziehen. "Man kann nicht warten, bis die Erlaubnis kommt", meint Gabriele Gröger.
In der Gemeinschaftsunterkunft gibt es mehrmals in der Woche Deutschstunden von einer pensionierten Lehrerin. Dieses ehrenamtliche Engagement sei hoch zu schätzen, dennoch würden die Stunden den Bedarf nicht decken, sagt Gabriele Gröger. Da die Sprache aber der Schlüssel zur Integration ist, hat die Sozialpädagogin versucht, weitere Kurse ins Leben zu rufen. "Von den jungen Flüchtlingen mit recht guten Deutschkenntnissen nimmt die Berufsschule ab und zu einige in die Berufsvorbereitungskurse auf", sagt Gabriele Gröger. Daran wollte sie anknüpfen und eine Klasse einrichten, wo junge Flüchtlinge Deutsch lernen und sich auch in der Praxis ausprobieren. Eine Idee, die von vielen Ebenen gelobt wurde. Zunächst stellte Gabriele Gröger sie beim Schulamt vor, musste eine Projektbeschreibung beim Schulrat für Berufsschulen einreichen, der sie wiederum an das Bildungsministerium verwies. "Die haben vorgeschlagen, dass der Unterricht über das Teilhabepaket gefördert werden könnte", erzählt Gabriele Gröger kopfschüttelnd. Asylbewerber haben keinen Anspruch auf das Teilhabepaket. "Ich stehe wieder am Anfang da", beklagt sie.
Weil aber etwas getan werden muss und dies eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, hofft sie nun, dass die Neubrandenburger selbst aktiv werden. Einen Raum könnte die Awo bereit stellen. Was aber fehlt, ist die Finanzierung für eine Honorarkraft. "Ich kann nicht verlangen, dass jemand das umsonst macht", sagt Gabriele Gröger und ruft darum am heutigen internationalen Flüchtlingstag dazu auf, Geld für Deutschkurse spenden.
Infos unter 0395-5666476 oder per Mail migration-awo@gmx.de
Nordkurier-Neubrandenburg
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