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Kann ein Dorf das Nazifest verhindern?

Während die Vorbereitungen für das Pressefest der "Deutschen Stimme" auf Hochtouren laufen, übt sich die Verwaltung weiter in Zurückhaltung - darunter leiden müssen andere.

18.06.2012

Pasewalk/Viereck (rk) Besuch ist Heiko Krähenbrink offenbar gewohnt, ein guter Gastgeber ist er deshalb aber noch lange nicht. Dies gilt vor allem für Vertreter der Presse. Denen schlägt der Vierecker Gemeindevertreter der NPD die Holzbarriere vor seinem Grundstück auch schon mal vor der Nase zu. Dabei soll eben er am 10. und 11. August dieses Jahres das Pressefest der "Deutschen Stimme" beherbergen. Dann werden das Gelände des Schweinestalls zwischen Viereck und Pasewalk Hunderte Anhänger der rechten Szene bevölkern. (der Nordkurier berichtete)

Mit "Gästen" im Schweinestall mussten die Vierecker in der Vergangenheit schon so ihre Erfahrungen sammeln. "Das weiß doch das ganze Dorf, dass da die Nazis drin sind, da gab's schon öfter mal Ärger", so ein Anwohner. Seinen Namen möchte er aber nicht in der Zeitung lesen. "Bei denen weiß man ja nie so genau", sagt er weiter. Die Unberechenbaren, das sind seiner Erfahrung nach "meist Leute von außerhalb", die zu Konzerten in den Schweinestall kommen. "Natürlich treiben die sich dann auch bei uns im Dorf herum", so der Vierecker weiter. Das wird auch an dem Wochenende im August so sein.

Rein formal jedoch hat die Gemeinde Viereck überhaupt nichts mit der anstehenden Großveranstaltung zu tun. Denn: "Der Schweinestall gehört zur Stadt Pasewalk, nicht zu uns", so Axel Marquardt (Linke), Bürgermeister von Viereck. Kalt lässt ihn die Anmeldung des Pressefests deshalb aber noch lange nicht, "schließlich werden sich diese Typen auch hier im Dorf rumtreiben", so Marquardt. Die Einwohner seiner Gemeinde sprechen ihren Bürgermeister bereits auf dieses Thema an. Viel sagen kann er ihnen jedoch noch nicht.

Hilfesuchend schaut Marquardt stattdessen ins wenige Kilometer entfernte Pasewalk. Im Rathaus der Kürassierstadt liegt die Anmeldung der Veranstaltung seit dem 24. Mai auf dem Tisch. Passiert ist seitdem nicht viel. Mitte kommender Woche will sich Bürgermeister Rainer Dambach (parteilos) mit der städtischen Ordnungsbehörde und Vertretern der Polizei zusammensetzen, "dann wollen wir sehen, welche Sicherheitsaspekte eine Rolle spielen", so Werner Hackbarth, Ordnungsamtsleiter des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Axel Marquardt ist zu dieser Runde bisher nicht eingeladen worden.

Die Nazis dagegen sind schon deutlich weiter. Im Internet wird intensiv über das Pressefest 2012 diskutiert. Im Thiazi-Forum, einer rechten Internet-Plattform, die am vergangenen Freitag nach einer Razzia gegen die mutmaßlichen Betreiber vom Netz genommen wurde, waren immer neue Infos zu lesen. So organisieren die Veranstalter des Pressefestes um den Berliner NPD-Funktionär Eckart Bräuniger einen bundesweiten Bustransfer nach Viereck. Zudem wurden Bahnverbindungen bekannt gemacht, ein Shuttleservice zwischen Pasewalk und dem Festgelände soll eingerichtet werden. Dafür wollen die Rechten nicht nur einen Reisebus, sondern auch einen Parkplatz anmieten.

Wo das passieren soll, ist derzeit nicht bekannt. Beim Ordnungsamt Pasewalk lag bis Montag kein diesbezüglicher Antrag vor.

Nordkurier

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